Versechsfachter Gewinn

31. Jänner 2002, 20:14
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Die Bundestheater legten äußerst positive Bilanzen für die Saison 2000/2001

Wien - Früher war der Bericht des Bundestheaterverbandes schlicht und einfärbig. Nach dem ersten Jahr in der Selbstständigkeit probierte man den Wildwuchs: Jeder Tochter der neuen Holding (Staats- und Volksoper, Burgtheater, Art for Art Service GmbH) war es freigestellt, einen Bericht zu publizieren oder nicht.

Nun aber fand man zu einer gemeinsamen Vorgangsweise: Georg Springer, der Konzernchef, präsentierte am Donnerstag zusammen mit allen Direktoren und Geschäftsführern (sieben an der Zahl) die Berichte für die Saison 2000/ 2001: Fünf Stück, aufwändig gestaltet, jedes in Pergamentpapier eingewickelt, mit einem bedruckten Gummiring zusammengehalten und in Plastikfolie eingeschweißt.

Der Gewinn stieg auf 2,72 Millionen Euro an

In dieser 300 Seiten starken Selbstdarstellung ist nachzulesen, was der STANDARD bereits am 3. Jänner exklusiv berichtete: Die Bundestheater-Gesellschaften bilanzierten auch in ihrem zweiten Jahr erfreulich positiv. Der Gewinn wuchs auf 2,72 Millionen Euro (37,48 Millionen Schilling) an: Zu den 0,46 Millionen der Saison 1999/2000 gesellten sich nun zusätzliche 2,26.

Erreicht wurde dieses Ergebnis trotz einer seit 1995 "gedeckelten", also nicht erhöhten Basisabgeltung von 133,65 Millionen Euro. Weil "nachhaltige", also jährlich wirksame Einsparungen von 10,61 Millionen Euro vornehmlich im Personalbereich erzielt und die Erlöse gesteigert werden konnten: von 45 auf 55,2 Millionen. So stiegen die Karteneinnahmen (bei gleich bleibenden Preisen) von 37,6 auf 39,2 Millionen.

Aber stagnierende Besucherzahlen

Der Eigendeckungsgrad betrug daher, so Springer, 37 Prozent, in der Staatsoper aufgrund der hohen Eintrittspreise sogar deren 47: Man müsse schon lange suchen, bis man einen anderen Theaterbetrieb finde, der mit ähnlichen Zahlen aufwarten kann.

Die Besucherzahlen aber stagnierten: Die Staatsoper kam auf eine Sitzplatzauslastung von 94,6 Prozent (gegenüber 93,8 in der Saison 1999/ 2000), die Volksoper auf 77,3 (zuvor 78,9), das Burgtheater auf 79,1 (zuvor 80,6) und das Akademietheater auf 86,8 (zuvor 87,1). Schlimmster Flop: Die Volksoper blieb bei den sechs Vorstellungen von Die Vögel auf 61,3 Prozent der Karten sitzen.
(trenk/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.02. 2002)

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