Höchste Alarmstufe in Georgien: Hoch radioaktive Geräte gefunden

31. Jänner 2002, 18:02
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IAEO barg Geräte mit Strahlungsstärken die Reaktorunfall von Tschernobyl entsprechen

Wien/Washington/Tiflis - Ein Team der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO in Wien hat in einer Blitzaktion in den vergangenen Wochen offenbar in Georgien Geräte mit hoch radioaktivem Inhalt geborgen.

Die ersten Entdecker dieser offenbar liegen gelassenen Thermogeneratoren, wie sie zum Langzeitbetrieb von Funksendern, verwendet werden, waren durch die Strahlung krank und verletzt worden. Dies schreibt das US-Wissenschaftsmagazin "Science" in seiner Ausgabe vom 1. Februar. Donnerstag Nachmittag schickte das Magazin eine Vorausmeldung aus.

Geräte werden gesichert

Donnerstag Nachmittag bestätigte eine Sprecherin der IAEO die Vorfälle in Georgien: "Was in dem 'Science'-Artikel steht, ist richtig. Wir haben den Text überprüfen dürfen, bevor er veröffentlicht wurde. Ein Team unserer Organisation ist derzeit in Georgien und hilft bei der Sicherung der Geräte. Das soll zunächst in Tiflis geschehen." Es gebe aber auch Konsultationen mit den USA, Frankreich und Russland.

Thermogeneratoren für Funkstationen wurden vermutlich zurückgelassen

Die IAEO-Sprecherin: "Derzeit gibt es eine große Sensibilität für solche Angelegenheiten. Dieser Geräte, offenbar Thermogeneratoren für Funkstationen, sind scheinbar zurück gelassen worden. Angehörige unserer Organisation hatten vier ähnliche Strahlungsquellen in Georgien bereits vor einigen Jahren entdeckt."

Beim Holzsammeln "Container" entdeckt

Die Affäre hatte laut "Science" am 2. Dezember vergangenen Jahres begonnen. Damals hatten drei Männer beim Holzsammeln bei Lja in Georgien zwei "Container" entdeckt. Der Schnee um sie herum war durch die abgegebene Hitze geschmolzen. Die Männer brachten die "Wärmequellen" in ihr Lager. Wenig später wurde ihnen schlecht, sie erbrachen und wurden schwindlig. Außerdem zogen sie sich radioaktive Verbrennungen zu.

Schutz war entfernt worden

Die IAEO-Sprecherin: "Offenbar war ein Schutz entfernt worden." Solche Thermogeneratoren wären normalerweise so gebaut, dass sie auch in der Umgebung von Menschen verwendet werden könnten.

Messungen- Strahlungsquelle ist Strontium-90

Am Heiligen Abend traf schließlich bei der IAEO in Wien ein Fax über den Fund ein. Der Chef der Abteilung für Strahlung und radioaktiven Abfall, Abel Julio Gonzalez, wird in "Science" so zitiert: "Ich war schockiert. Ich dachte zunächst an eine falsche Messung." Doch ein Team der IAEO bestätigte in Georgien schließlich die Messungen. Die Strahlungsquelle ist Strontium-90. Bisher wurden von den Generatoren Exemplare gefunden, die 40.000 Curie abgeben.

Bis zu 100.000 Curie - 40.000 Curie entsprechen Reaktorunfall von Tschernobyl

Sowjetische Laboratorien dürften aber ehemals hunderte solcher Geräte hergestellt haben, davon einige mit einer Strahlung von bis zu 100.000 Curie. 40.000 Curie von Strontium-90 entsprechen der Strahlungsmenge, die beim Reaktorunfall von Tschernobyl auf dieses strahlende Element zurückzuführen war.

Erste Opfer dieser Geräte

Die nun entdeckten Thermogeneratoren beruhen darauf, dass die Beta-Strahlen auf eine Metallhülle auftreffen und dadurch zum Teil zu Röntgenstrahlen und zum Teil zu Wärme umgewandelt werden. Deshalb erlitten die drei Entdecker der Strahlunsquellen auch Verletzungen durch die ausgetretenen Röntgenstrahlen. Es handelt sich um die ersten bekannten Opfer solcher Geräte.

Angst vor Atom-Terroristen

Die Ängste hinter den Vorfällen in Georgien: Das hoch radioaktive Material aus solchen Thermogeneratoren könnte in die Hände von Terroristen fallen. Sie könnten "schmutzige Bomben" daraus fabrizieren, die Regionen langfristig verstrahlen könnten. Noch in diesen Tagen wollen die internationalen Experten in Tiflis beraten, was weiter zu geschehen hat. Ein Teil des Materials könnte man als radioaktiven Müll entsorgen, ein Teil könnte eventuell Wiederverwendung in medizinischen Geräten finden. (APA)

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