Italien: Beweise vom alten Rivalen

31. Jänner 2002, 14:51
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Ex-Konzernchef Carlo De Benedetti belastet Regierungschef Berlusconi mit Korruptionsvorwürfen

Wie kam Silvio Berlusconi in den Besitz des größten italienischen Medienhauses Mondadori? Für den früher mächtigen Chef des CIR-Konzerns, Carlo De Benedetti, der zu Beginn der Neunzigerjahre auch Besitzer unter anderem der Tageszeitung La Repubblica war, ist die Antwort klar: "Durch Korruption".

Ein Mailänder Gericht hat in dieser Woche begonnen, den umstrittenen Verkauf der Mondadori-Gruppe an Berlusconis Fininvest aufzuarbeiten. Die Elite des italienischen Verlagswesens und der Regierungschef selbst werden in den nächsten Wochen vor den Richtern aufmarschieren müssen. Berlusconi wird die Vorwürfe entkräften müssen, sein Konzern habe einen Richter "gekauft", der im Jahre 1991 ein gegen die Fininvest gerichtetes Urteil aufhob und damit Berlusconi den Weg frei machte, massiv ins Verlagswesen einzusteigen.

Jahrelanger "Krieg"

Jahrelang hatte der Krieg mehrerer Verleger um die Übernahme des größten italienischen Verlagshauses getobt, Mondadori war zu Beginn der 90er-Jahre mit den Wochenmagazinen Espresso, Panorama und Epoca, der Tageszeitung La Repubblica und einer großen Anzahl von Regionalzeitungen das marktbeherrschende Haus. Carlo De Benedetti, Berlusconis großer Widersacher, hatte am Ende das Rennen gemacht.

Berlusconi gab allerdings nicht auf: Nach monatelangem Rechtskrieg und undurchsichtigen Aktientransaktionen annullierte ein römisches Gericht plötzlich die Übernahme De Benedettis und übertrug die Kontrolle über die Mondadori an Berlusconi, der damit zum mächtigsten Verlagsbesitzer des Landes aufstieg.

Laut Staatsanwaltschaft haben drei Berlusconi-Anwälte, unter ihnen der in weitere Korruptionsverfahren verwickelte heutige Parlamentsabgeordnete der Forza Italia, Cesare Previti, den Richter Vittorio Metta bestochen; 400 Millionen Lire (206.582,76 Euro/2,843 Mio. S) habe der Richter damals für sein Urteil bekommen. Ein eindeutig "gekauftes Urteil", sagte De Benedetti zu Prozesseröffnung unter Eid vor Gericht.

Schatten von Craxi

Auch Verlegern wie Carlo Caracciolo oder Journalisten wie Indro Montanelli sei klar gewesen, dass da Korruption im Spiel gewesen war. Caracciolo wiederum verwies auf alte politische Seilschaften: Hinter Berlusconi hätte sich auch der frühere mächtige Sozialistenchef Bettino Craxi gestellt, der - über seinen Verbündeten Berlusconi - die Kontrolle über den Medienkonzern übernehmen wollte.

Benedettis Beweise

Auf die Frage des Richters, warum er denn den Fall nicht sogleich der Staatsanwaltschaft anvertraut habe, sagte De Benedetti, damals habe er nur Vermutungen gehabt, jetzt habe er Beweise. Regierungschef Berlusconi soll nun in wenigen Wochen selbst vor dem Gericht in Mailand aussagen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2002

Standard-Korrespondent Andreas Feichter aus Rom
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