Französischer Kartenhersteller will EZB klagen

30. Jänner 2002, 15:46
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Europakarte auf Banknoten soll "widerrechtlich abgekupfert" sein

Wien - Die Euro-Banknoten sorgen einen Monat nach ihrer Einführung neuerlich für Aufregung: Ein französisches Spezialunternehmen für Satellitenkartographie will die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt klagen, weil die auf den Scheinen abgebildete Landkarte "widerrechtlich abgekupfert" sein soll. Das meldet das Nachrichtenmagazin "trend" in seiner neuen (Februar-)Ausgabe, die am Donnerstag erscheint.

Der Verlag M-Sat-Edition in Clermont-Ferrand wirft der EZB vor, die Karte auf den Euroscheinen sei aus einer Montage von 300 Satellitenaufnahmen entstanden, schreibt das Magazin. Das könne von Experten eindeutig verifiziert werden. Das Motiv stamme konkret aus einem 1997 von M-Sat-Edition herausgebenen Katalog, dessen Produktion 3,8 Mill. Euro (52,3 Mill. S) verschlungen habe, so der Vorwurf. Dafür solle die EZB nun zahlen, fordert M-Sat-Edition.

EZB: Wir haben die Rechte gekauft

Die EZB wisse von der geplanten Klage nur aus den Medien, versicherte eine EZB-Sprecherin gegenüber der APA: "Man hat mit uns keinen Kontakt gesucht". Die EZB betrachte eine Klage als "unbegründet": "Wir haben die Rechte auf die Karte gekauft", heißt es.

Hersteller der Karte ist das Salzburger Unternehmen Geospace, das Satellitenbilder produziert und vertreibt. Die erhobenen Vorwürfe seien haltlos, so Geospace-Geschäftsführer Lothar Beckel zur APA: "Wir haben das Bild selbst produziert - und zwar wesentlich früher als die Franzosen behaupten". Das Bild sei bereits 1992 fertig gestellt und seither wiederholt verkauft worden. Im Juni 1997 habe der Designer der Euro-Banknoten, der Oesterreichische Nationalbank-Graphiker Robert Kalina, die Rechte im Auftrag des Europäischen Währungsinstituts als Vorläufer der EZB erworben. An der Urheberschaft des Bildes gebe es keinen Zweifel.

Die EZB sei Herausgeber der Banknoten, betont OeNB-Direktor Alfred Scherz. Die OeNB sei von der Sache nicht tangiert. Aus seiner Sicht sei diese "urheberrechtliche Sache" Teil der rechtlichen Routine der Notenbank. (APA)

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