Stammesführer: Taliban planen Angriff auf Stadt im Südosten Afghanistans

30. Jänner 2002, 14:00
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Kandahars Gouverneur will Spannungen in Westafghanistan beenden

Kabul - Etwa 300 Taliban- und El-Kaida-Kämpfer planen einem Verbündeten der neuen Übergangsregierung zufolge eine Angriff auf die Stadt Gardes im Südosten Afghanistans. "Sie haben leichte und schwere Waffen und planen, Gardes anzugreifen", sagte ein Mitglied des Stammesrates von Gardes, Abdul Wali, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Taliban-Kommandeur Djalaluddin Hakkani ziehe die radikal-islamischen Kräfte im Westen der Stadt zusammen. Eine Offensive scheine dicht bevor zu stehen. Der Stammesrat von Gardes habe die in der Region stationierten US-Spezialeinheiten informiert. Die US-Soldaten seien über die Bedrohung im Klaren.

Wali warf dem Nachbarland Pakistan vor, die Taliban- und El-Kaida-Kämpfer bewaffnet und zu einem Angriff ermuntert zu haben, um die nach dem Fall der Taliban eingesetzte Übergangsregierung in Kabul zu destabilisieren. Pakistan hatte den radikalen Religionsstaat der Taliban vor den Anschlägen in den USA am 11. September unterstützt. Pakistans Präsident General Pervez Musharraf hat indes erklärt, sein Land unterstütze die neue afghanische Regierung und den von den USA geführten Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Die Taliban-Regierung hatte der El-Kaida-Gruppe des moslemischen Extremisten Osama bin Laden Gastrecht gewährt, den die US-Regierung für die Anschläge vom 11. September verantwortlich macht. Die USA hatten zusammen mit afghanischen Taliban-Gegnern und unterstützt von zahlreichen Staaten die Taliban gestürzt. Seit Dezember ist eine Übergangsregierung in Kabul im Amt, die dem Land nach Jahrzehnten des Kriegs Stabilität wiedergeben soll.

Stammesdelegation in westafghanische Provinz Herat entsandt

Der Gouverneur der südafghanischen Provinz Kandahar, Gul Agha, bemüht sich nach eigenen Angaben um eine Befriedung der ethnischen Spannungen im Westen Afghanistans. Wie sein Sprecher Chaled Paschtun am Mittwoch sagte, entsandte Chan eine Delegation von neun Stammesführern zu Verhandlungen in die westliche Provinz Herat. Paschtun warf dem iranischen General Sardar Baghwani vor, Anfang des Monats nach Helmand gereist zu sein und die dortigen Kommandanten mit Waffen und Geld versorgt zu haben.

Gul Agha hatte in der vergangenen Woche beklagt, dass der Iran "Waffen an örtliche Kommandanten verteilt", die durch Herat in die Provinz Helmand im Süden geliefert würden. Herat wird von den Truppen des proiranischen ehemaligen Mudschahedinführers Ismail Chan kontrolliert.(APA/Reuters)

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