Handke hat sich "ausgeschrieben"

30. Jänner 2002, 13:38
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Der Schriftsteller sieht mit seinem neuen Roman "Der Bildverlust" sein "Episches erschöpft"

München - Mit seinem neuen Roman "Der Bildverlust" hat sich Peter Handke (59) auf eine gewisse Weise "ausgeschrieben". Er habe sein "Episches mit diesem Buch erschöpft", sagte Handke in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe). "Je älter ich werde, desto mehr gehe ich Verästelungen, Seitensträngen nach", sagte der Autor, dessen 760 Seiten starkes Buch von der Reise einer Frau durch die Sierra de Gredos erzählt. Handke räumte ein, dass ihn die negativen Kritiken schmerzten. "Vielleicht ist es aber besser, wenn es einem weh tut, als wenn es einen freut."

Für ihn sei Schreiben die höchste Instanz des Menschen. "Wozu ist denn die Schrift erfunden worden? Doch nicht zur Halblustigkeit", meinte Handke, der seit vielen Jahren erstmals wieder ein Interview über ein literarisches Werk gab. Beim Schreiben hätten ihn mittelalterliche Epen wie "Parzival" auf den "Sprung" gebracht. "Ich fand diese Epen immer ganz real." Ähnlich wie bei Tolkiens "Herr der Ringe" glaube auch er, dass die Menschen auf der Erde nichts mehr verloren hätten. Das Muster für dieses Verschwinden sei Franz Kafka. Er habe die fünfte Passionsgeschichte geschrieben, mit allem, mit dem "Prozess", mit der "Verwandlung", mit dem "Schloss".

Seit über zwei Jahrzehnte gehe er auf dem dritten Weg zwischen Untergang und Sieg, meinte Handke, der seit der Erzählung "Langsame Heimkehr" (1979) zahlreiche "Verrisse" hinnehmen musste. "Ich habe immer die Einbildung, dass ich Literatur verkörpere. Nicht ich, wie ich hier sitze, mit diesem Pullover, mit meinen Harren. Aber das, was ich tue, das ist der Goethesche Nachvollzug des Schriftstellers auf Erden," meinte Handke, dessen neuer Roman im Februar an der Spitze der Bücherbestenliste des Südwestrundfunks steht. (APA)

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