Wertlose Aktien - Verlorene Betriebsrente

29. Jänner 2002, 06:43
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Mitarbeiter starten Sammelklage gegen Verantwortliche

Houston - Mehrere hundert Mitarbeiter des bankrotten US-Energiehändlers Enron haben Angaben der Anwälte zufolge eine Sammelklage auf Schadensersatz für ihre nun wertlosen Mitarbeiteraktien eingereicht. Enron habe seine Mitarbeiter ermutigt für ihre Altersversorgung weiter in Enron-Aktien zu investieren, obwohl die prekäre Finanzlage bereits bekannt gewesen sei, begründeten die Anwälte am Montag in Houston die Klage.

Als Beklagte werden namentlich die früheren Firmenchefs Kenneth (Ken) Lay und Jeffrey Skilling sowie der ehemalige Finanzchef Andrew Fastow genannt. Die mehr als 400 aktuellen und früheren Mitarbeiter verklagen zudem die Verwaltungsgesellschaft Northern Trust und die Wirtschaftsprüfungsfirma Andersen.

"Ausgefeiltes Sandkastenspiel" der Verantwortlichen

Andersen-Chef Joseph Berardino räumte unterdessen ein, sein Unternehmen habe durch die Verbindung mit dem Enron-Skandal Aufträge verloren. Nach eigenen Angaben büßte auch die Familie des Ex-Enron-Chefs Lay fast ihr gesamtes Vermögen durch die Enron-Pleite ein.

"Die Verantwortlichen bei Enron haben von einem ausgefeilten Sandkastenspiel profitiert", sagte Anwalt Randy McClanahan. "Wir werden zeigen, dass die Verwalter der Betriebsrentenplanes 401(K) bei Enron die Ansprüche der Beschäftigten missachtet haben, die sie nach Bundesrecht schützen sollen."

Verluste für Anderson

"Wir werden überleben", sagte Andersen-Chef Berardino bei einer Pressekonferenz in Chicago. "Man kennt uns. Die Menschen vertrauen uns. Ob wir Umsatz verlieren? Absolut." Sein Unternehmen, der ehemalige Buchprüfer Enrons, überprüfe derzeit alle Abläufe der Buchführung, fügte er hinzu. "In ein paar Tagen wissen wir, was wir wussten und wann wir es wussten." Auf die Fragen ob Kunden jetzt absprängen, sagte Berardino ohne weitere Details: "Ja. Wir haben Aufträge verloren."

Auch die Familie von Ex-Enron-Chef Kenneth Lay kämpft nach Angaben von Ehefrau Linda Lay nun gegen die Zahlungsunfähigkeit. "Wir wollen nicht Bankrott gehen." Von den Dollar-Millionen, die Lay als Abfindung erhalten habe, sei nichts mehr übrig. "Fast alles steckte in dieser einen Aktie (Enron)", und Lay habe selbst noch Zahlungsverpflichtungen, sagte sie in einem Interview des Fernsehsenders NBC. "Er sagte, er hat alles Erdenkliche versucht, aber er konnte es (den Enron-Kollaps) doch nicht stoppen", sagte sie unter Tränen. "Er war am Boden zerstört, am Boden zerstört für seine Mitarbeiter." (APA/Reuters)

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