Tür "prinzipiell offen"

28. Jänner 2002, 20:51
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Deutsche Forscher wollen Nervenzellen aus Knochenmark hergestellt haben

Essen - Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Essen hat nach eigenen Angaben aus menschlichem Knochenmark Nervenzellen hergestellt. Das Klinikum berichtete am Montag, prinzipiell sei damit die Türe offen für die rasche "Herstellung" auch anderer Zell-Linien und deren Anwendung zur Behandlung bisher nicht oder nur schlecht behandelbarer Erkrankungen des Menschen. Forscher in Düsseldorf und Rostock hatten im vergangenen Sommer bereits Herzzellen aus Knochenmark gewonnen und Patienten eingesetzt.

Nach Angaben von Prof. Andreas Hufnagel ist es der Essener Forschergruppe gelungen, adulte Stammzellen des Menschen aus dem Knochenmark zu isolieren, in der Zellkultur um ein Vielfaches zu vermehren und in Nervenzellen umzuformen. Die Vorteile der adulten Stammzellen seien ihre ethische Unbedenklichkeit und die Möglichkeit, diese von Patienten ohne große Schwierigkeiten aus dem Blut oder dem Knochenmark zu gewinnen und nach erfolgter Vervielfältigung ohne Abstoßungsreaktionen zurückzugeben.

Ähnliche Versuche hatten US-Forscher bereits im Jahr 2000 vorgestellt. An der Rutgers Universität (US-Staat New Jersey) gewann ein Team ebenfalls menschliche Nervenzellen aus Knochenmark. Im einem Tierversuch hatten die US-Forscher derartige Zellen sogar ins Gehirn gepflanzt und beobachteten, wie es die Funktion von zerstörtem Nervengewebe übernahm. Dennoch warnen Forscher immer wieder vor übertriebenen Hoffnungen. Bis zu einem möglichen Therapie-Einsatz für Menschen mit erkrankten Hirnzellen, wie etwa Parkinsonpatienten, werde es noch Jahre dauern.(APA/dpa)

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