WAZ zu "Krone": "Noch nie Zeitung verkauft"

29. Jänner 2002, 12:03
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Konflikt um Temelín-Linie des Kleinformat - Thronfolge erst aktuell, "wenn Dichand wegfällt"

Essen/Wien - Fast verwundert klang der Krone-Chefredakteur und Hälfteeigentümer Hans Dichand, als aus Essen vor zwei Wochen ernste Bedenken kamen: "Es wird sich erst erweisen müssen, ob Herr Erich Schumann im Namen der WAZ die politische Unabhängigkeit der Krone wirklich in Zweifel gezogen hat."

Er hat, bestätigt Schumann im STANDARD-Gespräch eine entsprechende Wortmeldung in Format. Dass die Temelín-Linie des Kleinformats aus seiner Sicht einer unabhängigen Berichterstattung widerspreche, "stimmt".

Das mit Dichand zu besprechen hält Schumann nun freilich nicht für nötig: "Das weiß er auch, da brauchen wir nicht lange diskutierten."

Besondere Konsequenzen aus diesem Wissen waren freilich mit freiem Auge im Blatt nicht zu erkennen. Schumann: "Warten Sie doch einmal ab."

"Wenn er wegfällt"

Das empfiehlt der Chef des deutschen Printriesen, dem zugleich fast die Hälfte am Kurier gehört, auch im zweiten Streitpunkt zwischen WAZ und Dichand. Der 81-jährige Krone-Chef will wie berichtet Sohn Christoph zum Nachfolger in der Chefredaktion des Blattes einsetzen. Die WAZ legt sich quer. Schumann: "Dichand ist weiter Chefredakteur. Wenn er wegfällt, dann werden wir weitersehen. Normalerweise gibt es keine monarchischen Systeme in der Wirtschaft, wo schon festgelegt ist, wer - wann immer auch - der Thronfolger ist."

Was hält man in Essen von Dichands Wunschnachfolger? "Das ist ja erst ein Fall, über den nachgedacht und geredet werden muss, wenn Herr Dichand nicht mehr Chefredakteur ist. Bisher hat er erklärt, er möchte das noch Jahre machen. Und er ist ja auch noch ganz munter."

Ob der Konflikte um Thronfolge und Temelín denken Kenner der Beteiligten schon halblaut über die Zukunft des Kleinformats nach: Einer der beiden Hälfteeigentümer werde mittel- bis langfristig wohl aussteigen. Schumann: "Wissen Sie, da gibt es so viele Spekulationen. Wir selbst haben in unserer Geschichte noch keine Zeitung verkauft, sondern immer nur welche erworben. Das gilt auch für die Kronen Zeitung. Was Herr Dichand will, weiß ich nicht."

Schon "beherrschend"

Schon 1997 ließ der verlauten, er wolle die Krone-Hälfte der WAZ für drei Milliarden Schilling (218 Mio. EURO) zurückkaufen. Schumanns damaliger Kogeschäftsführer und Gesellschaftervertreter bei der WAZ, Günter Grotkamp, konterte mit "über drei Milliarden" für Dichands Hälfte.

Schumann heute: "Natürlich gibt es Vorkaufsrechte, das ist ja selbstverständlich." Und: "Wenn der Preis stimmt, kaufen wir immer alles auf dieser Welt."

Wäre das kartellrechtlich aus seiner Sicht überhaupt möglich? Immerhin ist die WAZ an den beiden größten österreichischen Tageszeitungen beteiligt, die alle zeitungswirtschaftlichen Agenden von Anzeigen bis Vertrieb in der marktbeherrschenden Mediaprint zusammengelegt haben. "Ja, natürlich, warum denn nicht?" Schon mit 50 Prozent gelte man kartellrechtlich als "beherrschend", erklärt der WAZ-Mann.

Aktuell besprochen werde das Thema Kauf oder Verkauf unter den uneinigen Krone-Eigentümern aber nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 29. Jänner 2002)

Von Harald Fidler
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