Bush fordert Druck auf Arafat

25. Jänner 2002, 21:15
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Washington verlangt "entschlossene Aktionen" gegen Terroristen - US-Maßnahmen stehen bevor

Washington - US-Präsident George W. Bush hat mehreren arabischen Staats- und Regierungschefs angebliche Beweise für die Verwicklung der palästinensischen Autonomiebehörde in die Waffenschiff-Affäre vorgelegt. Bush drängte die Regierungen von Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien, Palästinenserpräsident Yasser Arafat unter Druck zu setzen, damit er etwas gegen die Verantwortlichen unternehme, wie ein US-Regierungsvertreter am Freitag sagte.

Die israelische Marine hatte am 3. Jänner den Frachter "Karine A" mit 50 Tonnen Waffen im Roten Meer gekapert. Arafat bestritt eine Verwicklung seiner Autonomiebehörde in den Waffentransfer. Nach Angaben des Regierungssprechers schickte Bush bereits in der vergangenen Woche Briefe an die arabischen Regierungen, in denen der Fall detailliert beschrieben werde.

Beratung über Konsequenzen

Vize-Präsident Dick Cheney, Außenminister Colin Powell, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und die US-Sicherheitsbeauftragte Condoleeza Rice trafen sich am Freitag im Weißen Haus, um über mögliche Konsequenzen aus der Affäre zu beraten. Es wurde erwartet, dass Powell nach einem Treffen mit dem afghanischen Außenminister Abdullah Abdullah bei einer Pressekonferenz Freitag abend Stellung zur Lage in Nahost bezieht.

Powell: USA haben "alle möglichen Optionen"

US-Außenminister Colin Powell hat am Freitag bestätigt, dass die USA ihren Kurs gegenüber den Palästinensern überdenken. Die Regierung in Washington habe "alle möglichen Arten von Optionen", sagte Powell am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem afghanischen Übergangs-Außenminister Abdullah Abdullah in Washington. Der Minister äußerte sich nicht konkret zur Art dieser "Optionen", deutete aber an, dass US-Maßnahmen gegenüber Palästinenser-Präsident Yasser Arafat nicht unmittelbar bevorstünden.

US-Medien hatten am Freitag übereinstimmend berichtet, dass die Regierung verschiedene Schritte gegen Arafat in Betracht ziehe, nachdem der Palästinenser-Chef dem Terror aus den eigenen Reihen nicht entschieden genug entgegengetreten sei. Die erwogenen Maßnahmen reichten bis hin zu einer Schließung des PLO-Büros in Washington und dem Abbruch aller Beziehungen zur palästinensischen Führung.

"Arafat weiß, was von ihm erwartet wird

Powell bekräftigte, Arafat müsse "starke, entschlossene und unumkehrbare Aktionen" unternehmen, um den Terrorismus unter Kontrolle zu bringe. Er müsse ferner voll und ganz Rechenschaft über die Hintergründe der jüngsten, von Israel gestoppten iranischen Waffenlieferungen an die Palästinenser ablegen.

"Wir setzen die Überprüfung unserer Politik fort", sagt Powell. "Es gibt alle möglichen Optionen." Auf Nachfragen von Journalisten fügte der Minister lediglich hinzu, die Optionen seien "politischer und diplomatischer Natur". Powell teilte weiter mit, er habe am Mittwoch ein sehr ausführliches Telefongespräch mit Arafat geführt und dabei die US-Position dargelegt. "Arafat weiß, was von ihm erwartet wird", sagte der Minister. "Er weiß, was er tun muss."(APA)

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