Wenig Chance auf weniger Steuern

24. Jänner 2002, 19:20
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Internationale Experten sehen Senkungspotenzial wo Ausgaben zurückgefahren werden

Wien - Wenig Chancen für eine Verringerung der hohen Steuerbelastung in den EU-Ländern sehen internationale Experten: Er sei wenig zuversichtlich, dass im kommenden Jahrzehnt die Steuerlast abnehmen werde, sagte Steuerexperte Francesco Daveri vom Institute of Economics and Finance, Parma, bei einem Symposium anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) in Wien. Senkungspotenzial gebe es nur in dem Ausmaß, wie Ausgaben nachhaltig zurückgefahren werden könnten, unterstrich Wifo-Chef Helmut Kramer in seinem Referat.

Seit den siebziger Jahren sei der immobile Faktor Arbeit zunehmend stärker besteuert worden als das Kapital. Erst vor zwei, drei Jahren sei es hier zu einer Trendwende gekommen, stellte Kramer fest. "Die Schere beginnt sich zu schließen", noch klaffe sie allerdings weit auseinander.

Maastricht treibt Steuern

Daveri konstatiert nach einem langjährigen Anstieg der Staatsausgaben seit den achtziger Jahren einen deutlichen Anstieg der Steuerbelastung in den EU-Ländern, der auf die Bemühungen zurückgehe, die Maastricht-Kriterien zu erreichen. Die gesamte Steuerbelastung in Europa liege deutlich über dem US-Vergleichswert von 31 Prozent.

In die Riege der Spitzenländern bei der Steuer- und Abgabenquote hat sich im Vorjahr Österreich hinaufgearbeitet, die Statistik Austria hat die Quote 2001 mit 45,5 Prozent errechnet. Die EU-Kommission kommt - mit einer differenzierten Berechnungsweise - sogar auf eine Abgabenquote für Österreich von 47 Prozent, bei einem EU-Schnitt von 41,7 Prozent. Nur vier europäische OECD-Länder haben eine höhere Abgabenquote als Österreich (Schweden, Dänemark, Belgien, Frankreich), Deutschland lag mit 41,9 Prozent knapp über dem EU-Durchschnitt.

Harmonisierte Steuermaßnahmen hätten voraussichtlich völlig unterschiedliche Auswirkungen auf die einzelnen Länder, stellte Peter B. Sörensen vom Institute of Economics an der Universität Kopenhagen fest. Insgesamt würde die EU von einer Harmonisierung aber profitieren. (APA)

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