DigitalStoff: Musikalische Revolution

31. Jänner 2002, 09:00
posten

MP3 ist die neue Einheitswährung digitaler Musik. Wirklicher Nutzen entsteht aber erst, wenn vieles zusammenpasst. Helmut Spudich geht auf die Barrikaden

Die digitale Industrie ist mit der Revolution schnell bei der Hand, wenn sie neue Produkte abfeiert. Das Musikformat MP3 ist eine dieser angesagten Revolutionen. Aber es bedarf nicht nur eines Aufstands, damit es zu dauerhaften Veränderungen kommt. Vieles muss zusammenpassen, bis das digitale Fußvolk den Propheten folgt.

Apples iPod, der minimalistische weiß-silbrige MP3-Player in Zigarettenschachtelgröße ist ein solcher Baustein, der aus technischer Entwicklung eine umfassende Revolution machen kann. Dank einer Festplatte mit 5 Gigabyte Fassungsvermögen bietet das Gerät Platz für 50 oder mehr CDs; der Akku reicht gut zehn Stunden, was jeden Musikliebhaber durch den Tag oder über einen Langstreckenflug bringt.

Aber Coolness allein ist noch keine Revolution. Was den iPod zu einer neuen Kategorie von Musikspielern macht, ist seine Kapazität, leichte Bedienbarkeit und sein Platz in der Kette des Musikkonsums. MP3-Player ohne vergleichbare Kapazität bieten keinen echten Vorteil gegenüber Discman. Im Gegenteil, das zeitaufwändige Bespielen der Speicherkarten nervt.

Damit eine so umfangreiche CD-Sammlung wie auf dem iPod leicht verwaltet werden kann, braucht der Benutzer gute Werkzeuge. Der iPod ist Teil einer Kette: Wird er an einen Mac angesteckt, wird seine Musiksammlung blitzartig mit der in einem Musikprogramm namens iTunes enthaltenen Musik synchronisiert (Windows-Benutzer sind einstweilen noch ausgeschlossen, aber Rettung naht: Ende Februar bringt Mediafour ein iTunes-Imitat namens Xplay heraus). Unterwegs erfolgt die Musikauswahl über ein erstklassiges Display nach Titel, Interpreten oder Wiedergabelisten mithilfe einer gut durchdachten Steuerung. Information zur Musik wird von iTunes automatisch aus einer Internetdatenbank geholt.

All das macht aus dem iPod einen wunderbaren Musikgeber. Voraussehbar ist, dass es jedoch erst der Beginn der Umwälzung ist, wie wir unsere teuer erworbene Musiksammlung besser nutzen können: Ein iPod, an den Autoradio angeschlossen, erspart teure CD-Wechsler und die Mühe, CDs zwischen Auto und Wohnung zu jonglieren. In die Hifi-Anlage integriert, entfällt das Scheibenwechseln beim Fest. Zusätzliche Ausstattung wird den iPod in ein Aufnahmegerät verwandeln, obwohl Apple dazu einstweilen still bleibt.

Und so weiter: Der Zubehörindustrie wird vieles einfallen, wofür sich das smarte kleine Teil noch alles eignet. Das ist der Stoff, aus dem digitale Revolutionen gemacht sind.

derStandard/rondo/25/01/02

  • Artikelbild
    www.apple.com
Share if you care.