Journalistin als Senatorin

24. Jänner 2002, 13:00
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Dana Horakova ist für Hamburgs Kultur zuständig

Hamburg - Die lange Suche nach einer Persönlichkeit für das Kulturressort in Hamburg ist beendet: Bürgermeister Ole von Beust (CDU) präsentierte am Mittwoch die 54-jährige Journalistin Dana Horakova als neue Kultursenatorin.

Horakova soll ihr Amt am 6. Februar antreten; zuvor muss die Bürgerschaft dem Regierungsvorschlag noch zustimmen. Genau 84 Tage lang war der Posten vakant und von Schulsenator Rudolf Lange kommissarisch betreut worden. Es habe insgesamt 400 Bewerbungen und Empfehlungen gegeben, sagte Lange. Mit etwa 20 Kandidaten seien Gespräche geführt worden. Die promovierte Philosophin Horakova sei relativ spät auf die Kandidatenliste gekommen.

"Sie wurde dem Senat von einem international renommierten Mitglied der Kulturszene in Frankfurt vorgeschlagen", betonte Lange. Es sei eine "hoch akzeptable" Lösung gefunden worden, meinte Bürgermeister von Beust. Sie sehe sich nicht als "Lückenbüßerin", betonte Horakova. Die in Prag aufgewachsene Kulturexpertin deutsch-tschechischer Herkunft war unter anderem stellvertretende Chefredakteurin der "Welt am Sonntag" und in den 90er Jahren auch Ressortleiterin Kultur der "Bild"-Zeitung. Seit Juli 2001 arbeitet sie dort als fest angestellte Autorin.

"Selbstverständlich habe ich noch keine konkreten Vorstellungen, wie die Kultur der Metropole Hamburg in Zukunft aussehen soll", sagte Horakova. Ihr Anliegen sei es, "dass alle Kulturbereiche, die es verdienen, in dieser Stadt eine Chance haben werden". Wichtig sei ihr auch, dass Eliten wie das breite Publikum bedient werden. "Das ist in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen", betonte sie, "wir brauchen eine engere Vernetzung zwischen Wirtschaft und Kultur, zwischen der Smoking-Society und dem Kiez". Nachholbedarf gebe es auch im Hinblick auf die Tatsache, "dass die Kultur dieser Stadt weit über die Grenzen hinaus Beachtung finden muss".

Die Kandidatensuche für das Kulturressort des neuen Hamburger Senats ähnelte zeitweise einem Possenspiel. Zunächst sollte Nike Wagner, Urenkelin des Komponisten Richard Wagner, Nachfolgerin von Christina Weiss (parteilos) an der Spitze der Kulturbehörde werden. Sie erteilte von Beust im Oktober jedoch eine Absage mit der Begründung, dass ihre Forderung nach einer Erhöhung des Kulturetats nicht erfüllt worden sei. Seitdem war von Beust auf der Suche nach einer zugkräftigen Besetzung für das Ressort, für das sogar die Schlagersängerin Vicky Leandros genannt wurde. (APA/dpa)

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