RWE entdeckt Herz für CEZ

23. Jänner 2002, 19:05
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Deutscher Atomstromriese steigt bei Privatisierung des tschechischen Temelin-Betreibers in den Ring

Prag/Essen - Der deutsche Atomstromriese RWE steigt bei der Privatisierung des tschechischen Stromerzeugers CEZ fünf Minuten vor zwölf doch noch in den Ring. Das Unternehmen betreibt auch die zwei Atomkraftwerke Temelín und Dukovany in der Tschechischen Republik. In Österreich hält RWE, der größte europäische Energiekonzern, seit dem Vorjahr ein Drittel des Kärntner Landesstromversorgers Kelag.

Laut Presseberichten verhandelt die tschechische Regierung derzeit mit RWE, der britischen Firma International Power und der französischen Electricité de France (EdF). Das Finanzministerium in Prag bestätigte, dass es derzeit drei Interessenten für die CEZ gebe. Namen wollte die Behörde jedoch nicht nennen. Ein RWE-Sprecher erklärte, zu "Marktgerüchten" gebe man keinen Kommentar ab.

200 Milliarden Kronen

Tschechien will 67 Prozent am Staatskonzern CEZ verkaufen und zusätzlich sechs der acht regionalen Stromverteiler und dafür zumindest 200 Mrd. Kronen (6,2 Mrd. Euro/85,3 Mrd. S) erlösen, dazu kommen zahlreiche Auflagen. Größte Brocken sind die verpflichtende Abnahme der in Tschechien geförderten Braunkohle und die vorgesehenen Geldstrafen, die bei der Schließung eines Kohlekraftwerkes etwa wegen der Nichteinhaltung von EU-Umweltauflagen fällig würden.

Dritter Anlauf

An den Bedingungen der Regierung in Prag sind in den vergangenen vier Wochen bereits zwei Privatisierungsrunden gescheitert. Bei der Gasprivatisierung ist alles nach Plan gelaufen, sowohl für Tschechien als auch den Käufer RWE. Die Konzerntochter RWE Gas hat in Tschechien bereits nahezu die gesamte Gasversorgung für 133 Mrd. Kronen erworben. Die Prager Wettbewerbsbehörde muss dem Einstieg aber noch zustimmen.

Bis 28. Februar sollen das tschechische Finanzministerium sowie das Industrie- und Handelsministerium Vorschläge zum weiteren Vorgehen in der CEZ-Privatisierung vorlegen. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass die Regierung vor den bevorstehenden Parlamentswahlen den Prozess abschließt. Der Verkauf wird damit praktisch an die nächste tschechische Regierung delegiert, die aus den für Mai oder Juni geplanten Wahlen hervorgehen wird.

Dominator in Kärnten

In Österreich ist der deutsche Atomstromkonzern im vorigen Jahr über die RWE Plus bei der Kärntner Kelag eingestiegen und hält ein Drittel der Anteile am Kärntner Energieversorger. Die Kelag hat im Vorjahr die Stadtwerke Kapfenberg übernommen. In Österreich wollen die Deutschen gemeinsam mit der Kelag expandieren, hatte der RWE-Plus-Vorstand Klaus erklärt. (dpa, APA, DER STANDARD, Printausgabe 24.1.2002)

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