ADSL wird nicht billiger werden

23. Jänner 2002, 12:22
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Telekom-Regulator sieht Breitbandinternet erst in den Startlöchern - Keine sinkenden Tarife für Entbündelung zu erwarten - UMTS noch heuer

Der oberste Telekom-Regulator, Heinrich Otruba, sieht Österreichs Markt für Breitbandinternet erst am Beginn seiner Entwicklung. Derzeit gibt es in Österreich etwa 200.000 Breitbandinternetanschlüsse - im Wesentlichen ADSL und Internet via Telekabel. Dass diese Zahl noch nicht größer ist, führt Otruba auf fehlende Anwendungen wie etwa Videostreaming oder Bildtelefonie zurück.

UMTS noch in diesem Jahr

Impulse für die bestehenden Breitbandtechnologien erwartet der Regulator vor allem durch die Einführung der mobilen Breitbandkommunikation, die dritte Mobilfunkgeneration UMTS. Otruba rechnet mit dem Start der ersten beiden UMTS-Anbieter noch Ende des heurigen Jahres, unter ihnen voraussichtlich auch ein Anbieter, der bisher noch nicht am Markt vertreten war, nämlich Hutchison 3G.

Unterstützung für das Breitbandinternet soll aber auch die Forcierung der elektronischen Verwaltung (E-Governement) - etwa der elektronische Steuerausgleich oder die digitale Signatur - und die Einbeziehung neuer internetbasierter Ausbildungsmethoden mit sich bringen.

"ADSL-Erfolg keine Frage des Preises"

Alternative Telekom- und Internetanbieter hatten zuletzt auch verstärkt regulatorische Eingriffe gefordert, so etwa eine Senkung der Entbündlungsentgelte - jener Gebühren, die der alternative Betreiber der Telekom Austria zahlen muss, wenn er deren Leitungen benützt, um bis zum Endkunden zu gelangen. Otruba teilt diese Ansicht nicht. Der Erfolg von ADSL und Co sei keine Frage des Preises. "10 S rauf oder runter bei der Entbündelung machen keinen Unterschied, wenn es für den Kunden derzeit kein Erfordernis gibt, sich einen ADSL-Anschluss zuzulegen", so der Regulator.

Österreich zu billig?

Mit Preisen von 10,90 Euro (150 S) monatlichem Entbündelungsentgelt seit Jahresbeginn - davor waren es 11,63 Euro - liege Österreich deutlich unter den billigeren EU-Staaten. Deutschland etwa sei signifikant teurer, Dänemark als billigstes Eu-Land um etwas mehr als einen Euro billiger. Auch die Herstellungskosten, die die TA für die Entbündelung verlangen kann, wurden nach Streitverfahren normiert: Sie liegen derzeit zwischen 36,34 Euro und 109,1 Euro. Allein der Kostenvoranschlag kostet allerdings zusätzlich 406,75 Euro.

Kritik der Alternativen zurückgewiesen

Kritik der alternativen Anbieter, dass einige von ihnen nach wie vor keinen Zugang zum Endkunden bekämen, weist Otruba zurück. Alle Formen der Entbündelung seien mit Erlass einer entsprechenden EU-Verordnung vom 18. Dezember 2000 in Österreich möglich. Die Alternativen begründen ihre Kritik mit oftmals nicht vorhandenem Platz für ihr nötiges Equipment in den Wählämtern der TA, so genannten Kollokationsflächen. Diesen Engpass sieht Otruba allerdings im Augenblick nicht.

"Es wird zu wenig entbündelt"

Derzeit lassen dennoch lediglich zehn alternative Betreiber Teilnehmeranschlüsse entbündeln. Insgesamt sind bisher lediglich rund 3.600 der 3,18 Millionen österreichischen Teilnehmeranschlüsse entbündelt, "was uns nicht sehr freuen kann", wie auch der Regulator eingesteht. Dabei mangle es aber nicht an regulatorischen Grundsätzen. Viel eher sei die Zeit einfach noch nicht "reif" dafür. Derzeit sei das unternehmerische Risiko angesichts der enormen Investitionskosten für ein flächendeckendes ADSL-Angebot noch extrem hoch. Wenn mit Entwicklung der entsprechenden ADSL-Anwendugen aber auch die Nachfrage bei den Kunden sichergestellt sei, sinke auch das Risiko für den Betreiber. "Wir hoffen, dass diese Zeit bald kommt", meint Otruba.(APA)

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