"Rote Karte für Adidas"

24. Jänner 2002, 17:28
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Clean Clothes startete Unterschriftenaktion und plant Beschwerde wegen Nichteinhaltung der OECD-Richtlinien

Auf der 200m langen Wäscheleine hing keine schmutzige Wäsche, sondern über 2000 Protestkarten. Dies, um auf die unsauberen Arbeitspraktiken in den weltweiten Produktionsstätten der adidas-Salomon-AG und ihrer Geschäftspartner aufmerksam zu machen. Österreichische KonsumentInnen scheinen sehr an der Umsetzung von ethischen Maßstäben bei der Produktion von Turnschuhen, Sportdressen und anderer Sportartikel von adidas-Salomon zu zweifeln. Die Protestkarten und Unterschriftslisten wurden von einer Gruppe von Clean Clothes-AktivistInnen am Donnerstag am Hauptsitz von adidas Österreich in Klagenfurt übergeben.

Die österreichische Clean-Clothes-Kampagne (= CCK) engagiert sich seit drei Jahren für faire Arbeitsbedingungen in der Textil- und Sportartikelerzeugung. Im Rahmen dieser Bemühungen wurde auch verstärkt auf die Problematik der Arbeitsbedingungen in Produktionsstätten der adidas-Salomon AG und ihrer Geschäftspartner aufmerksam gemacht. Obwohl die adidas-Salomon AG in den letzten Jahren immer wieder die Maßnahmen erläutert, mit welchen das Unternehmen scheinbar die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten verbessert, bleiben Schlagzeilen über fortgesetzte Mißstände bei weltweiten Zulieferern an der Tagesordnung. Laut Meldungen aus der Zulieferfabrik Hermosa in El Salvador und Honduras werden Arbeiterinnen immer noch zu unbezahlten Überstunden, Schwangerschaftstests und AIDS-Tests gezwungen, wobei sie die Kosten für die Tests selber tragen müssen. Beim indonesischen Zulieferer Panarub wird für gewerkschaftliche Betätigung Haft angeordnet. Die Löhne, die bezahlt werden, reichen nicht zum Überleben.

Beschwerde geplant

Auf Grund dieser Missstände plant die CCK-Österreich auch eine Beschwerde gegen Adidas wegen Nichteinhaltung der OECD-Richtlinien in Bezug auf internationales Arbeitsrecht beim österreichischen Nationalen Kontaktpunkt, der Beschwerdestelle für Verstöße gegen die OECD Richtlinien, einzureichen.

Adidas-Pressesprecher Kovacic betonte zwar die Bemühungen des Konzerns um Verbessserung der Arbeitsbedingungen, konnte aber die konkreten Vorwürfe der Kampagnenmitglieder nicht entkräften.

Nela Perle von der Kampagne für fair produzierte Kleidung dazu: "Warum hat adidas-Salomon das Pilotabkommen zur Einhaltung von Sozialstandards bei Zulieferern in Mittelamerika nicht abgeschlossen? Die angegeben Gründe für den Abbruch überzeugen uns nicht! Warum zieht adidas eine Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen "Fair Labor Association" (FLA) der CCK vor? Von der FLA weiss man ja, dass diese erhebliche inhaltliche Defizite bei der Reichweite der zu überprüfenden Sozialstandards und bei der unabhängigen Kontrolle aufweist! Deshalb wird sie ja international stark kritisiert!"

Pilotprojekte

Unternehmen in anderen Ländern scheinen kooperativer zu sein: In den letzten Jahren sind in der Schweiz, den Niederlanden, Schweden und Frankreich Pilotprojekte in Entwicklungsländern unter Beteiligung von südlichen Partnerorganisationen gestartet worden.

"Einerseits betont der Pressesprecher (von adidas, Anm. d. Red.) die Dialogbereitschaft, andererseits schlug der Konzern z.B. die Teilnahme an einem Europaparlaments-Hearing im November 2000 in Brüssel aus", so Nela Perle.

Die Clean Clothes Kampagne hält ihre Forderung nach unabhängigen und seriösen Kontrollen durch glaubwürdige Organisationen und die Garantie von existenzsichernden Löhnen in den Produktionsstätten der adidas-Salomon AG und ihren Zulieferbetrieben aufrecht. Weiters betonen die VertreterInnen der CCK, dass auch die österreichische Geschäftsleitung der adidas-Zweigstelle in Klagenfurt / Viktring die Verantwortung für ethische Unternehmenspolitik übernehmen und sich den Anliegen der österreichischen KonsumentInnen stellen muss. (red)

Hintergründe
zum Arbeitsverhaltenskodex der Clean Clothes - Kampagne

cleanclothes.org
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