Argentiniens Wirtschaft schrumpfte 2001 um 5,1 Prozent

23. Jänner 2002, 10:04
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Schuldenstand des Landes steigt kräftig - EU hat zu Stabilitätsprogramm aufgefordert

Buenos Aires/Brüssel - Die in einer tiefen Krise steckende Wirtschaft in Argentinien ist im vergangenen Jahr um 5,1 Prozent geschrumpft und dürfte in diesem Jahr noch weiter nachgeben. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag (Ortszeit) aus dem Wirtschaftsministerium in Buenos Aires erfuhr, fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes auf einen Wert von 269,6 Mrd. Dollar (305 Mrd. Euro/4.197 Mrd. S). Mit Beginn des neuen Jahres steckt Argentinien damit seit 44 Monaten in einer Rezession.

Den Angaben zufolge stieg auch die Staatsverschuldung in Argentinien deutlich. Gemessen am Schuldenstand von 141,2 Mrd. Dollar Ende September betrug die Verschuldung bereits 52,4 Prozent. Bis Jahresende stiegen die Schulden allein nominell weiter. Zudem hatte für diesen Wert noch die alte Umrechnung von einem Dollar je Peso gegolten. Am 6. Jänner gab Argentinien die jahrelange Bindung an die US-Währung, die so genannte Dollarisierung, auf. Seitdem fiel der Peso stark; am Dienstag waren für einen Dollar 1,85 Peso zu zahlen.

Nach ersten Schätzungen des Wirtschaftsministeriums dürfte sich die Konjunktur in Argentinien im neuen Jahr noch weiter verschlechtern. Die Regierung in Buenos Aires bereitet einen Sparhaushalt vor; auch dem Internationalen Währungsfonds soll ein eher pessimistischer Plan vorgelegt werden.

Stabilitätsprogramm

Die Europäische Union hat Argentinien zu einem umfangreichen Stabilitätsprogramm aufgefordert. In einer Erklärung des EU-Finanzministerrats vom Dienstag in Brüssel heißt es, die neue argentinische Regierung stehe vor der Herausforderung, die Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum mit niedriger Inflation zu schaffen und zugleich die sozialen Spannungen abzubauen.

Dafür sei ein starkes und nachhaltiges Wirtschaftsprogramm erforderlich, das im In- und Ausland glaubwürdig sei. Argentinien müsse sich dabei auf die Währungs- und Haushaltspolitik, das Bankensystem und das Wechselkurssystem konzentrieren. Zugleich bot die EU technische Unterstützung an, ohne aber finanzielle Hilfe zu erwähnen.

EU fordert: "Keine Diskriminierung ausländischer Investoren

Die EU unterstütze die Zusammenarbeit Argentiniens und des Internationalen Währungsfonds (IWF), erklärten die Finanzminister. Zugleich warnten sie Argentinien vor einer Diskriminierung ausländischer Investoren. "Es ist sehr wichtig, dass sich das Programm an marktwirtschaftlichen Prinzipien orientiert und eine Diskriminierung ausländischer Direktinvestoren und Gläubiger vermeidet", heißt es in der Erklärung. Höchste Priorität müsse die Sicherung des argentinischen Schuldendienstes haben. Dafür müsse der Privatsektor angemessen an einer Neustrukturierung der argentinischen Schulden beteiligt werden.

Die neue argentinische Regierung bemüht sich derzeit um eine Verbesserung ihrer Beziehungen zum IWF. Dieser hatte im Dezember die Auszahlung weiterer Kredittranchen aus einem Bereitschaftsprogramm im Volumen von 22 Mrd. Dollar (24,9 Mrd. Euro/342 Mrd. S) eingefroren, nachdem die damalige Regierung von Präsident Fernando de la Rua die vereinbarten Haushaltsziele nicht eingehalten hatte. Seitdem ist Argentinien mit den Zins- und Tilgungszahlungen auf seine Schulden von rund 141 Mrd. Dollar in Verzug. (APA/Reuters)

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