Beleidigung auf Bayerisch

22. Jänner 2002, 21:18
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Kontrolle am Airport: Auf "Wollschädel" folgte "Arschloch"

Wien/München - "Soll ich mir ,Österreicher' auf die Stirn tätowieren lassen?" Aus Taofeek M. sprechen Empörung und ein Anflug von Resignation. Der 32-jährige Topgrafiker aus Wien hat seit kurzem in Deutschland ein Verfahren am Hals. Wegen Beleidigung eines Bundesgrenzschutzbeamten, so die offizielle Begründung. "Weil ich schwarz bin", sagt hingegen der in Nigeria geborene Österreicher.

Vergangenen Dezember war Taofeek M. nach einem Urlaub auf dem Flughafen München gelandet. Noch während er beim Gepäcksförderband auf seinen Koffer wartete, wurde er von Polizeihauptmeister Rochus Mossherr auf Englisch aufgefordert, sich auszuweisen. Die Frage nach dem Grund blieb unbeantwortet, stattdessen tauchte beamtete Verstärkung auf. Drohungen wie "wenn er Schwierigkeiten macht, dann kriegt er's" sollen gefallen sein. Als die Beamten schließlich den österreichischen Pass von M. sahen, schien Beruhigung einzukehren. Wenn da nicht die bayerische Feststellung "Na, bei dem sein' Wollschädel sieht man das ja nicht gleich" gewesen wäre. M. reagierte mit "Arschloch" und wurde verhaftet.

Erst nach zwei Stunden durfte er schließlich wieder gehen - da war das Verfahren wegen Beleidigung schon eingeleitet. Davor musste er die Benennung eines Zustellbevollmächtigten unterschreiben. Letzterer wird M. dann schriftlich über den Ausgang des Verfahrens informieren. Da es zwischen Österreich und Deutschland ein Vollstreckungsabkommen gibt, wird M., wird er verurteilt, zahlen müssen. "Und wofür? Für eine rassistische Schikane", sagt der Betroffene. Die Bundesgrenzschutzinspektion sagt unter Verweis auf das laufende Verfahren gar nichts. (simo, Der Standard, Printausgabe, 23.01.02)

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