"Blochziehen, Schwoaftuifl und Bajatzl"

24. Jänner 2002, 09:45
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Alle vier Jahre wird in Fiss im Tiroler Oberinntal mit einem der ältesten Fasnachtsbräuche der Winter ausgetrieben

Fiss/Innsbruck - Alle vier Jahre begeht Fiss, ein Ort im Tiroler Oberinntal, einen der ältesten Fastnachtsbräuche, das „Blochziehen“. Mit diesem heidnischen Brauch soll kommenden Sonntag in der noch vorwiegend bergbäuerlichen Höhensiedlung der Winter ausgetrieben werden.

Im Mittelpunkt steht dabei eine schön geschmückte, mächtige Zirbe samt Ästen - der "Bloch" - , die als Symbol der Fruchtbarkeit gilt. Der Wipfel muss dabei unversehrt bleiben. Das abgeschnittene Ende der Zirbe wird wie ein Vollmondgesicht bemalt, das beim Ziehen nach vorne schaut. Die Zirbe wird nach Fertigstellung von einer eigenen „Blochwache“ gegen Angriffe von benachbarten Orten beschützt.

Der aus vorchristlicher Zeit stammende Brauch verbildlicht den Kampf zwischen Gut und Böse, Frühling und Winter. Am Tag des mystischen Spiels bildet der Ruf "Hüo, iatz geht's los!" den Auftakt für den Umzug.

Die zahlreichen handgeschnitzten Masken und das Treiben der markanten Figuren sollen mit ihren mächtigen, dumpf dröhnenden Schellen das Böse, die Dämonen, den Winter vertreiben.

Selbstverständlich ist auch die fasnachtlich verkleidete Musikkapelle dabei, deren Marketenderinnen durch Männer abgelöst wurden. Frauen dürfen am Umzug, wie auch bei anderen Fasnachtsbräuchen, nicht teilnehmen.

Mit der Musikkapelle an der Spitze setzt sich der Zug mit dem Bloch und rund 300 Maskierten zu Mittag in Bewegung. Der über fünf Tonnen schwere Baum muss schweißtreibend durch das Dorf gezogen werden. Das Ziehen dieses "Blochpfluges" stellt das Aufreißen der Erde für die neue Fruchtbarkeit des Frühjahrs dar.

Etwa auf halber Strecke müssen die beiden Hauptdarsteller, der Bär und der "Miasmann", der wilde Mann, von Bärentreibern, Jägern und "Mohrelen" eingefangen und vor den Blochbaum gespannt werden. Gemeinsam wird der Stamm weitergezogen, wobei der "Schwoaftuifl" den Zug zu stoppen versucht und der "Bajatzl" über die Dächer der Bauernhäuser hüpft und seine Späße treibt. Die Hexen geben Verse und lustige Sprüche zum Besten, in denen Dorfbegebenheiten an die Öffentlichkeit gebracht werden.

Bis zum Abend herrscht in Fiss reges Treiben, nach dem Bettläuten allerdings, darf kein Maskierter mehr auf den Straßen des Dorfes zu sehen sein. Erst in vier Jahren werden die Masken und Figuren des Fisser "Blochziehens" das Dorf dann wieder in Beschlag nehmen. (APA/red)

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