Neuer Impfstoff gegen FSME

22. Jänner 2002, 16:20
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Für Kinder und Erwachsene - Höhere Temperaturen kündigen die "Zecken-Saison" des Jahres 2002 an

Sie beginnen bereits mit ihrem gefährlichen Krabbeln: die FSME-versuchten Zecken. Höhere Temperaturen kündigen die "Zecken-Saison" des Jahres 2002 an. Zum sehr gut verträglichen und hoch wirksamen Schutz gegen die lebensgefährliche Krankheit gibt es nun von Chiron Behring neu entwickelte Impfstoffe für Kinder und Erwachsene: erstmals ohne Eiweißstoffe als Stabilistoren.

Die Zecken erwachen ...

"Es wird warm. Es ist Zeit, dass die Zecken wieder aufwachen. Bei den bestehenden Freizeitaktivitäten wird es praktisch niemandem gelingen, im Laufe des Jahres kein FSME-Gebiet zu berühren. Wer sich vier Wochen ungeimpft in der Steiermark aufhält, hat ein Risiko von eins zu 10.000, eine FSME zu bekommen. Das entspricht dem Malariarisiko bei einer gleich langen Reise nach Indien", erklärte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der Universität Wien.

Vorbeugung gegen die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis

Noch ärger ist das Risiko für Menschen, die sich berufsbedingt in "Wald und Au" aufhalten müssen. Ungeimpfte Wald- und Forstarbeiter in Bosnien, die keinen Zugang zur FSME-Impfung hatten, wiesen ein Erkrankungsrisiko von eins zu 240 bis eins zu 1.000 bei einem Monat Waldarbeit auf. Kollaritsch: "Das entspricht dem Malariarisiko bei einem gleich langen Aufenthalt in Kenia."

Während es ganz klar ist, dass man sich bei Fernreisen vor der lebensgefährlichen Tropenkrankheit durch Prophylaxe schützt, vernachlässigen noch immer gar nicht so wenige Menschen auch in Österreich die Vorbeugung gegen die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ("Zeckenkrankheit"). Das sind besonders ältere Menschen. Darauf deuten die aktuellen Statistiken hin.

Älter Menschen mehr gefährdet

Kollaritsch: "Wir haben bei den unter 40-Jährigen große Erfolge, aber noch immer ein Problem bei den höheren Altersklassen." So gab es vergangenes Jahr in Österreich laut Angaben des Instituts für Virologie in Wien 54 FSME-Erkrankungen (drei Todesfälle) mit Patienten, die im Spital behandelt werden mussten. Der größte Teil der Erkrankten aber gehörte der Altersgruppe der über 40-Jährigen an.

Dabei verläuft die potenziell lebensgefährliche Erkrankung mit zunehmendem Alter immer schwerer. Der Impfexperte: "Je älter die Betroffenen, desto öfter kommt es zu Fällen, in denen von der Infektion nicht nur die Gehirnhäute, sondern auch das Gehirn und das Rückenmark betroffen sind. Damit steigen die Sterblichkeit und die Rate der Komplikationen wesentlich an."

Neues Medikament ab Mitte Februar

Die seit mehr als 20 Jahren in Österreich durchgeführten Impfkampagnen gegen die FSME haben jedenfalls entscheidende Beiträge zur Beherrschung des Problems geliefert. Das zeigen wissenschaftliche Berechnungen: In den vergangenen zwei Dekaden wurden in Österreich 3.443 FSME-Erkrankungen registriert. Ohne Impfung wären es laut diesen Rechenmodellen 13.540 gewesen. Somit wurden durch die Immunisierungen 10.097 Erkrankungen verhindert.

Kollartisch: "Wir haben durch die Impfung in Österreich 100 bis 200 Todesfälle vermieden." 1979 - am Beginn der Ära der FSME-Impfungen - hatte es in Österreich beispielsweise noch fast 700 Erkrankungen in einem Jahr gegeben.

Mit einem Fortschritt kann jedenfalls einer der FSME-Vakzin-Hersteller, Chiron Behring, aufwarten: Ab Mitte Februar wird es in Österreich mit "Encepur 0,5 ml" und "Encepur 0,25 ml" je ein Vakzin für Erwachsene bzw. für Kinder bis zum vollenden zwölften Lebensjahr geben. Es handelt sich dabei um eine Neuentwicklung und um das - laut Hersteller - einzige FSME-Vakzin ohne Fremdeiweiß als Stabilisator. Der Kinder-Impfstoff ist für die Verwendung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr freigegeben. In besonderen Fällen kann aber laut dem Expertengremium des Obersten Sanitätsrates auch schon ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat geimpft werden. (APA)

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