Expertenstreit über Teuerungsgespenst in Deutschland

23. Jänner 2002, 09:57
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Deutsche Bundesbank erwartet neuerlichen Inflationsanstieg - Commerzbank: Verbraucher lassen sich Erhöhungen nicht bieten

Frankfurt - Am Dienstag hatte es einen Expertenstreit um den Einfluss der Bargeld-Umstellung auf die Preise im größten Euro-Staat gegeben. Die deutsche Bundesbank machte vor allem das schlechte Wetter und die Steuererhöhungen zum Jahreswechsel als Preistreiber aus. Vorläufige Inflationsdaten für Jänner sollen in diesem Monat ausnahmsweise erst am 31. vorgelegt werden; bis Ende Februar will das Statistische Bundesamt dann die Auswirkungen der Euro-Einführung gesondert prüfen.

Die Bundesbank erwartet im Jänner einen neuerlichen Anstieg der Inflation, dieser sollte aber nur vorübergehend sein. Für die höhere Teuerung im Jänner werden die witterungsbedingt höheren Nahrungsmittelpreise sowie die nächste Stufe bei der Einführung der Ökosteuern sorgen.

Die Erwartung von Experten und Finanzinstituten, dass die Teuerung im laufenden Monat die Drei-Prozent-Marke überschreiten wird, wollte die Bundesbank nicht bestätigen. Im Dezember hatte die Teuerung in Deutschland 1,7 Prozent betragen. Für das Gesamtjahr 2001 lag die Inflationsrate bei 2,4 Prozent. Damit zählte die Bundesrepublik laut EU-Berechnungen zu den preisstabilen Ländern. Die niedrigste Rate hatte Großbritannien, gefolgt von Frankreich; Österreich und Dänemark lagen ex aequo an dritter Stelle. Die Niederlande hatten dagegen die rote Laterne.

Commerzbank erwartet drei Prozent Jännerinflation

Auch der "Wirtschaftsweise" Bert Rürup von der Commerzbank erwartet im laufenden Monat auch wegen der Euro-Umstellung einen starken Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland. "Wir dürften im Jahresvergleich über die Drei-Prozent-Marke rutschen", sagte das Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch. Schuld seien zu "etwa einem Drittel Euro-bedingte Preiserhöhungen, der Rest sind Steuereffekte und die hohen Obst- und Gemüsepreise".

Deutschland hat die Euro-Umstellung nicht wie Österreich durch ein Euro-Währungsanpassungsgesetz geregelt, das nicht betriebswirtschaftlich begründete Aufrundungen von Schilling auf Euro untersagt. Ähnlich regulierende Gesetze zur Euro-Umstellung gibt es weiters nur in Portugal und Griechenland. (APA/dpa)

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