Monti: "Italien zählt in Europa zu wenig"

22. Jänner 2002, 11:30
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Europaminister Buttiglione warnt vor Defizit von Demokratie und parlamentarischer Kontrolle in EU

Rom - EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti, ist der Ansicht, dass Italien eine stärkere Rolle in Europa spielen könnte. "Bei den großen europäischen Beschlüssen zählt Italien nicht wie es könnte und sollte, das ist ein wenig demütigend", sagte Monti in einer Rede vor einem Wirtschaftskongress in Rom. "Italien könnte eine einschneidendere Rolle spielen, das Land hat noch viel Potenzial, das zum Ausdruck gebracht werden muss", fügte der EU-Kommissar hinzu.

Montis Worte nährten neue Debatten über die angeblich antieuropäische Haltung der Mitte-Rechts-Regierung von Silvio Berlusconi, die vor zwei Wochen den italienischen Außenminister Renato Ruggiero zum Rücktritt gezwungen hat. "Wir sind 'Eurorealisten', wie sich auch der deutsche Altkanzler Helmut Kohl bezeichnete", sagte Europa-Minister Rocco Buttiglione. "Wir sind Euro-Enthusiasten, die aber auch auf die Mahnungen der Euroskeptiker hören können, die oft Recht haben, obwohl sie meistens eine Kur vorschlagen, die den Kranken töten kann." Italien sei für eine starke Föderation unterschiedlicher Staaten.

Italien sei ein großes Land, sagte Buttiglione, der auf ein "Defizit von Demokratie und parlamentarischer Kontrolle in der EU" aufmerksam machte. "Man kann Europa nicht regieren, ohne dass sich Italien an dieser Führung beteiligt". Seiner Ansicht nach müsste man verstärkt die zivile Gesellschaft im Aufbauprozess des neuen Europas einbinden. (APA)

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