"Zur Zeit" - Anderes Gewand, selbe Inhalte

22. Jänner 2002, 19:38
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Mölzer zum Eintrag im Verfassungsschutz- Bericht: "Das juckt mich wenig"

Neben den "Platzhirschen" auf dem Wochenmagazin-Sektor wird nun auch "Zur Zeit" - "für ein Europa der Vaterländer und unsere deutsche Kultur" - angepriesen. Das von FPÖ-Bundesrat John Gudenus, Botschafter a. D. Johann Josef Dengler und dem ehemaligen Kulturberater Jörg Haiders in Kärnten, Andreas Mölzer, herausgegebene Blatt erscheint seit Anfang des Jahres zudem mit neuem Layout und Format.

Rund ein halbes Jahr zuvor bekam "Zur Zeit" zum ersten Mal im Ministerrat eine Presseförderung (ausbezahlt wurden 861.364,50 Schilling/62.597,79 Euro) zugebilligt. Die Inhalte, kritisiert vor allem das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), sind bei manchen Autoren Rechtsextremismus verdächtig.

Bürgerlich, konservativ, "rechtes" Blatt

Mölzer selbst positionierte sein Magazin im Editorial der ersten Ausgabe 2002 als "Österreichs einziges bürgerliches, konservatives, wenn man so will 'rechtes' Wochenblatt". Genauer noch findet man die Richtung des Mediums etwas weiter im Text: "Auch im zweiten Jahr des neuen Jahrhunderts werden wir wertkonservativ, kulturdeutsch, bürgerlich im besten Sinne des Wortes politisch berichten, analysieren und kommentieren." Mit dem Relaunch wolle man "ohne jeden Abstrich inhaltlicher oder ideeller Natur die Information unserer Autoren lesbarer und zeitgemäßer gestalten".

Für das Dokumentationsarchiv gilt auch die Eigentümerstruktur von "Zur Zeit" als Anhaltspunkt für "rechtsextreme Tendenzen" - dabei beruft man sich auch auf den deutschen Verfassungsschutz: Das Wochenblatt erscheint in der "W3" Verlagsgesellschaft m.b.H. & Co Verlag KEG. In der GesmbH ist neben anderen auch die "Junge Freiheit Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft m.b.H" (Amtsgericht Potsdam) mit einem zehnprozentigen Anteil zu finden.

Partnerorgan in deutschen Verfassungsschutzberichten

Zur "Jungen Freiheit" wird man unter anderem im deutschen Verfassungsschutzbericht 2000 fündig. Das Partnerorgan von "Zur Zeit" habe bei der undeutlicher gewordenen "Abgrenzung zwischen einigen demokratisch-konservativen und rechtsextremistischen Autoren auf publizistischer Ebene" eine wichtige Rolle gespielt, heißt es.

Forum ohne kritische Kommentierung

Laut dem Verfassungsschutzbericht fassen die Redakteure der "JF" bei Interviews demokratische Politiker mit Aussagen, "die den Positionen der 'Jungen Freiheit' widersprechen", kritisch an. "Bekannten Rechtsextremisten" biete man hingegen "ein Forum ohne kritische Kommentierung". Für den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen ist die "'Junge Freiheit' (...) der 'Neuen Rechten' zuzurechnen, einer um Intellektualisierung bemühten geistigen Strömung innerhalb des Rechtsextremismus".

"Zur Zeit" selbst tauchte 1997 im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen auf: "Seit Oktober 1997 erscheint in Wien als Ersatz für die bisherige JF-Ausgabe für Österreich die neue Wochenzeitung 'Zur Zeit'. Die JF bleibt jedoch auch weiterhin durch wirtschaftliche und redaktionelle Verknüpfung beteiligt."

"Das juckt mich wenig

"Zur Zeit"-Herausgeber und -Chefredakteur Andreas Mölzer bestätigte im Gespräch mit der APA die Angaben des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzberichtes zur Eigentümerstruktur seines Blattes. Was in deutschen Verfassungsschutzberichten steht, "das juckt mich wenig, salopp formuliert". Und weiter: "Im übrigen ist dazu zu sagen, dass der Innenminister Nordrhein-Westfalens einen prononcierten Linkskurs fährt. Das ist genau das selbe, als wenn in Österreich das DÖW political correctness predigt und in diesem Sinne Listen aufstellt."

Für Mölzer ist wichtig, was seine Autoren in seinem Blatt schreiben. Platz haben sollte für ihn "alles, was gescheit und nicht links ist". Zu den Inserenten zählen neben "Nation & Europa" etwa auch das Land Steiermark, das sich in den ersten beiden Ausgaben 2002 jeweils mit einer ganzseitigen Anzeige einstellte. Sie alle tragen - neben Abo- und Einzelverkauf - zum Budget von "Zur Zeit" bei.

Geringer Anteil Presseförderung

Die Presseförderung, so Mölzer, mache dabei nur einen geringen Anteil aus - deutlich unter zehn Prozent. Die gedruckte Auflage bezifferte der "Zur Zeit"-Chefredakteur auf 25.000 bis 26.000 Stück pro Ausgabe. Genaue Angaben zum Jahresbudget machte er nicht: "Sie können davon ausgehen, dass lügt, wer sagt, mit vier Millionen Schilling ein Wochenmagazin machen zu können. Da müssen's schon etliches dazu geben." Der Relaunch koste aber nicht sehr viel, weil auch sehr viel idealistische Arbeit dahinter stecke. (APA)

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