Sharon denkt über freien Zugang zum Tempelberg nach

21. Jänner 2002, 20:57
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Palästinensische Journalisten demonstrieren vor UNO-Gebäude in Gaza - Erekat am Donnerstag beim Europarat

Jerusalem/Gaza/Straßburg - Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon, der mit seinem Besuch auf dem Tempelberg im September 2000 die jüngste Phase des palästinensischen Aufstandes auslöste, denkt derzeit über einen freien Zugang zu den dortigen islamischen Heiligtümern auch für Nichtmuslime nach. Wie die Tageszeitung "Haaretz" am Montag berichtete, hat Sharon seien Beratern bereits mitgeteilt, dass er den Tempelberg wieder für Juden, Christen und andere Besucher öffnen will.

Die israelischen Sicherheitsbehörden empfehlen in einem Sharon unterbreiteten Vorschlag die Wiedereröffnung und Sharon denke darüber nach, hieß es weiter. Der Islamische Rat (Wakf), der die Oberaufsicht über die von den Muslimen Harem el Sharif genannte drittheiligste Stätte des Islams hat, ist jedoch weiterhin strikt gegen eine Wiedereröffnung in der derzeitigen Krisensituation. "Dies wäre ein sehr gefährlicher Schritt, dessen Auswirkungen sehr schwer zu kontrollieren wären", erklärte ein Mitglied des Rates, Mohammed Hussein, am Montag. "Die Atmosphäre ist derzeit nicht dazu geeignet, Ausländern wieder den Besuch der Moscheen zu erlauben".

Das Areal wird von den Juden Tempelberg genannt, weil sich dort vor der Zerstörung durch die Römer der jüdische Tempel des Herodes befand. Auf den Ruinen wurde nach der arabischen Eroberung Ende des 7. Jahrhunderts die Al Aksa-Moschee und der Felsendom erbaut, wo der Überlieferung zufolge der Prophet Mohammed in den Himmel aufstieg. Auch der Jerusalemer Bürgermeister Ehud Olmert hat sich für die Wiedereröffnung des Tempelbergs für nichtmuslimische Besucher ausgesprochen.

Protest gegen Zerstörungen

Mehrere hundert palästinensische Journalisten haben unterdessen vor der UNO-Vertretung in Gaza gegen die Zerstörung des Rundfunksenders "Stimme Palästinas" demonstriert. In einem Protestbrief forderten sie UNO-Generalsekretär Kofi Annan auf, den israelischen "Verbrechen" ein Ende zu setzen. Weiter heißt es in dem Schreiben, das dem UNO-Repräsentanten in Gaza überreicht wurde, Annan müsse "eine klare Position" zu der Politik Sharons beziehen. Zudem forderten sie den Schutz des palästinensischen Volkes durch die internationale Gemeinschaft.

In dem Schreiben an Annan erklärten die Journalisten, die Sprengung mehrerer Gebäude des palästinensischen Rundfunks am Samstag durch die israelische Armee sei ein "rassistischer und barbarischer Akt" und ein Bruch mit internationalen Verträgen. Das in Wien ansässige Internationale Presse Institut (IPI) verurteilte laut Aussendung in einem Brief an Sharon die Zerstörung der Rundfunkgebäude sowie die israelische Entscheidung, Akkreditierungen für palästinensische Journalisten nicht zu erneuern.(APA/AP)

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