Aktienprofis hören die Bullen brüllen

25. Jänner 2002, 12:38
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Wertpapierinvestments könnten nach zwei mageren Jahren heuer wieder fettere Renditen abwerfen - Selektive Käufe empfohlen

Wien - "Drei schlechte Börsenjahre in Folge, das hat es noch nie gegeben. Heuer müsste es also schon rein statistisch gesehen wieder aufwärts gehen auf den internationalen Aktienmärkten", sagt Wolfgang Eisl von der Salzburger Privatbank Spängler.

Auch abseits der Statistik würde eine Reihe von Argumenten für ein gutes Aktienjahr 2002 sprechen, meinte Jürgen Lukasser von der Constantia Privatbank im Gespräch mit dem STANDARD.

Konjunkturaufschwung

Es sei vor allem der für die zweite Jahreshälfte erwartete Konjunkturaufschwung, der weltweit neue Möglichkeiten eröffne. Lukasser empfiehlt, den Aktienanteil gegenüber den Vorjahresquartalen hinaufzuschrauben und im Jahresverlauf kontinuierlich zu steigern, bis eine Übergewichtung erreicht ist.

Da der Konjunkturaufschwung von den Vereinigten Staaten ausgehen werde, komme US-Aktien das Hauptaugenmerk zu. Europäische Aktien gewichtet die Constantia Privatbank neutral, Japan belässt man deutlich untergewichtet. In einem Musterportfolio hat Lukasser für US-Aktien einen Anteil von 55 bis 60 Prozent reserviert, 35 Prozent entfallen auf europäische Werte, der Rest auf Asien. Von japanischen Aktien sollte man lieber die Hände lassen.

Besonders schwierig sei die richtige Positionierung im Rentenbereich, meint Lukasser. Bei "klassischen" Euro-und US-Dollar-Staatsanleihen seien Kursgewinne praktisch ausgeschlossen, und auch die Kupons würden wenig abwerfen. Da auf Anleihen nicht gänzlich verzichtet werden könne, sollte man auf Euro-Anleihen von zentral- und osteuropäischen Staaten setzen, die von weiter fallenden Kursdifferenzen zu Euro-Staatsanleihen aus dem EU-Raum profitieren sollten.

Die Spängler Bank hat in ihrem Musterportfolio Aktien und Anleihen neutral gewichtet. Bei Anleihen gibt es mit 75 Prozent eine starke Präferenz für den Euroraum, der Dollar ist mit 25 Prozent gewichtet. Bei Aktien liegt der Schwerpunkt mit 45 Prozent in Europa. Die USA sind mit 30 Prozent gewichtet, der pazifische Raum mit zehn Prozent. Die restlichen 15 Prozent verteilen sich auf den Rest der Welt, die Branchen Biotechnologie, Technologie und Energie sowie Osteuropa.

Gewinnstorys

Anleger seien gut beraten, auf Unternehmen mit stabilen Gewinnstorys zu setzen, heißt es bei Spängler. Auch eine breite internationale Diversifizierung sei empfehlenswert.

Die Bank Austria hat in ihrer aktuellen Asset-Allocation den Aktienanteil ebenfalls leicht angehoben. Gegenüber der Empfehlung aus dem vierten Quartal rät man nun zu einer 43 (zuvor: 40) Prozent Aktienquote und zu 56 statt 59 Prozent Anleihen. Die Cash-Komponente ist mit einem Prozent unverändert geblieben

Da der Zeitpunkt der Konjunkturerholung schwer abschätzbar und Rückschläge vor allem in der ersten Jahreshälfte möglich seien, sollte man zyklischen Titeln auch defensive Werte beimischen, empfiehlt die Chefanalystin der BA-Vermögensverwaltungsgesellschaft Asset Management, Monika Rosen. Statt ganze Branchen zu empfehlen, rät Rosen, verstärkt Einzelwerte zu sichten.

Unter den Zyklikern seien International Paper und Henkel eine Betrachtung wert, als defensive Werte seien Gillette, Schering und RWE interessant. Wegen einiger Großevents wie den Olympischen Spielen hätten auch ausgewählte Medientitel wie AOL und Vivendi Fantasie. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 21.1.2002)

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