Geldregen für Afghanistan

22. Jänner 2002, 06:05
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Geberländer sagen fast vier Milliarden Dollar zu - Anhaltende Kämpfe im Norden des Landes

Tokio/Kabul - Die internationale Gemeinschaft will den Wiederaufbau in Afghanistan in den kommenden Jahren mit Finanzhilfen in Höhe von fast vier Millarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) unterstützen. Die Delegation der afghanischen Übergangsregierung äußerte sich bei der ersten internationalen Geberkonferenz am Montag in Tokio "begeistert". Unterdessen nährten anhaltende Kämpfe zwischen zwei Fraktionen der Nordallianz Befürchtungen über eine neuerliche Spaltung des Landes. Bei einem Raubüberfall auf ein UNO-Lebensmittellager im Nordwesten wurden 40 Tonnen Lebensmittel gestohlen. Die USA gingen erstmals auf die Kritik an Fotos von Gefangenen auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo in Kuba ein.

Wichtigster Partner beim Wiederaufbau Afghanistans ist die EU, die für dieses Jahr 550 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Deutschland will in den nächsten vier Jahren 320 Millionen Euro zahlen, Österreich 12,3 Millionen Euro.

Japan eifriger Spender

Japan will Afghanistan in den kommenden zweieinhalb Jahren mit 565 Millionen Euro unter die Arme greifen. Die USA sagten für das kommende Jahr umgerechnet 336 Millionen Euro zu. US-Außenminister Colin Powell betonte auf seinem Rückflug nach Washington, in den vergangenen beiden Jahren seien bereits 450 Millionen Euro geflossen. Großbritannien kündigte umgerechnet rund 327 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren an. Die asiatische Entwicklungsbank und die Weltbank versprachen jeweils 565 Millionen Euro.

Mehr als 1,13 Milliarden Euro der zugesagten Mittel sollen bereits in diesem Jahr fließen. Schätzungen waren von einem Bedarf von über 17 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre ausgegangen.

Der afghanische Übergangs-Regierungschef Hamid Karsai erinnerte in einer bewegenden Rede vor den Vertretern von mehr 60 Geberländern und 22 internationalen Organisationen an die Not in seinem Land. Er forderte die Geberländer auf, den Worten Taten folgen zu lassen und die Auslandsschulden seines Landes zu streichen.

Gefechte im Norden des Landes

Unterdessen ist die Sicherheitslage in Afghanistan weiter prekär. Bewaffnete Anhänger verschiedener Fraktionen der Übergangsregierung lieferten sich Gefechte um den Bezirk Kala Saal im Norden des Landes. Dabei seien mindestens elf Menschen getötet worden, meldete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP am Montag.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) beklagte vereinzelte Fälle von Plünderungen, die die Hilfsmaßnahmen behinderten. In der nordwestlichen Provinz Farjab hätten Bewaffnete in den vergangenen Tagen Mitarbeiter einer nichtstaatlichen Hilfsorganisation bedroht und schließlich 40 Tonnen Lebensmittel aus einem Lagerhaus gestohlen, sagte WFP-Sprecher Khaled Mansour in Islamabad. (APA/dpa)

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