Sudan: Sechs Monate Waffenstillstand vereinbart

19. Jänner 2002, 18:04
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Einsatz internationaler Beobachter geplant

Bürgenstock - Die sudanesische Regierung und die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA) haben sich am Samstag auf einen zunächst sechsmonatigen Waffenstillstand für die Nuba-Berge geeinigt. Ein im Schweizer Bürgenstock bei Luzern unterzeichnetes Abkommen sehe vor, dass bis Dienstag alle Kampfhandlungen in der im Landesinneren gelegenen Region eingestellt werden, teilten Vertreter beider Kriegsparteien vor der Presse mit. Der Waffenstillstand werde gemeinsam von der Regierung und der SPLA überwacht. Auch internationale Beobachter sollen daran beteiligt werden.

Der Schweizer Sonderbotschafter für Konfliktbearbeitung, Josef Bucher, der die die seit Montag laufenden Verhandlungen leitete, sprach von einem wichtigen Tag für den Sudan und seine Bevölkerung. "Dies ist ein erster Schritt, der zu einem umfassenden Frieden im Sudan führen kann." Der Leiter der Delegation der sudanesischen Regierung, Staatsminister Mutrif Siddig, sprach von einem Meilenstein auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden. Der Delegationschef der Rebellen, Kommandant Abdulaziz A Elhilu, nannte das Abkommen einen Eckstein für den Frieden.

Testfall

Die Vereinbarung gilt als Testfall für weitere Friedensverhandlungen im Sudan. An den Verhandlungen am Vierwaldstättersee unter der Schirmherrschaft der Schweiz und der USA hatten rund zehn hochrangige Vertreter der sudanesischen Regierung und eine ebenso große Delegation der Rebellenarmee SPLA teilgenommen.

Im Südsudan herrscht seit 1983 Bürgerkrieg zwischen dem moslemisch-arabischen Norden und dem schwarzafrikanischen christlich-animistischen Süden. In dem Konflikt sind schätzungsweise zwei Millionen Menschen ums Leben gekommen.

Seit 1985 Bürgerkrieg

In den Nuba-Bergen brach der Bürgerkrieg 1985 aus. Die im Zentralsudan gelegene, schwer zugängliche Region ist rund 50.000 Quadratkilometer groß. Knapp 1,5 Millionen Bewohner sprechen mehr als 50 Sprachen und Dialekte.

Die Region der Nuba-Berge kämpfen verschiedene Rebellengruppen, von denen einige immer wieder Allianzen mit der SPLA gebildet haben und andere mit der Regierung in Khartum paktieren. Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt die moslemische Regierung in Khartum für das Niederbrennen von Dörfern, die Tötung und Zwangsumsiedlung Zehntausender von Nuba sowie "ethnische Säuberungen" verantwortlich gemacht. Die Regierung von Präsident Omar Hassan el Beshir hat dies stets bestritten.

Nach Angaben aus Diplomatenkreisen ist der Sudan nach den Anschlägen vom 11. September auf der Prioritätenliste der USA nach oben gerückt. Die USA setzen bei der Suche nach dem Terroristenführer Osama bin Laden auf die Hilfe des Sudan. Bin Laden hatte von 1991 bis 1996 in Khartum gelebt und im Sudan Ausbildungslager betrieben.

Die SPLA von John Garang fordert unter anderem eine weit reichende Autonomie für die Südprovinzen, eine Trennung von Religion und Staat, die Aufhebung der islamischen Rechtsprechung, der Scharia, im Landessüden sowie eine gerechte Verteilung der Erdöleinnahmen. (APA/dpa)

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