Mühlviertler "Othello" zu Einweisung in Sonderanstalt verurteilt

18. Jänner 2002, 18:10
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Aus Eifersucht Frau mit Hantel erschlagen

Linz - Ein Geschworenengericht sprach einen 36-jährigen Mann aus dem Mühlviertel am Freitag am Landesgericht Linz schuldig am gewaltsamen Tod seiner 33-jährigen Frau. Weil er als unzurechnungsfähig eingestuft wurde, soll er in einer Anstalt für abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden.

Der 36-Jährige hatte aus grundloser Eifersucht seine Frau mit einer Hantel so schwer verletzt, dass sie einen Tag später im Krankenhaus starb. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wegen seiner krankhaften Eifersucht war der Angeklagte frei nach William Shakespeare mit dem Beinamen "Othello" versehen worden.

Wiederholte Attacken

Der 36-Jährige war gegen seine Frau - mit der er zwei Kinder im Alter von heute elf und sechs Jahren hat - bereits früher wiederholt gewalttätig geworden, ebenso gegen seine Verwandten. Mit der Zeit nahmen seine Wahnvorstellungen zu, er glaubte, dass ihn seine Frau betrüge, auch fühlte er sich "von der Russen-Mafia" verfolgt.

Am 3. Juni des vergangenen Jahres kam es dann zu den dramatischen Ereignissen. Der Mann hatte wieder randaliert, daraufhin wurden eine Expertin der Krisenintervention und das Rote Kreuz zu Hilfe gerufen. Der Tobende bekam beruhigende Medikamente, die auch ihre Wirkung taten. Man ließ den Mann daher in der ehelichen Wohnung zurück.

Tochter alarmierte Rettung

Einige Stunden später aber drehte der 36-Jährige endgültig durch. Er versetzte seiner schlafenden Frau mit einer zehn Kilo schweren Hantel drei wuchtige Schläge auf den Kopf. Dann flüchtete er. Die in der Wohnung anwesende elfjährige Tochter alarmierte die Rettung. Die Frau wurde ins Krankenhaus gebracht, wo sie aber am nächsten Tag starb. Der Gewalttäter flüchtete nach Wien, einen Tag später stellte er sich dort der Polizei.

"Alles ein Spiel"

Vor Gericht sagte der Angeklagte am Freitag, er könne sich an nichts mehr erinnern. Dann wiederum meinte er, seiner Ansicht nach sei "alles ein Spiel, aus dem ich jetzt aussteigen will". Außerdem sei seine Frau "gar nicht tot, ich rede jeden Tag mit ihr", beteuerte der Mann. Der Verteidiger führte aus, sein Mandant sei "krank und unzurechnungsfähig".

Die acht Geschworenen sprachen den Angeklagten einstimmig der Tat schuldig. Mit fünf Ja- und drei Nein-Stimmen stellten sie zudem fest, dass er unzurechnungsfähig sei - wegen geistig und seelischer Abartigkeit.

Deswegen entschied der Richter für die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Als Grund nannte er die schwere Erkrankung, in Konfliktsituationen könnte der Täter vergleichbare Handlungen setzen. Der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit, der Staatsanwalt erklärte Rechtsmittelverzicht. Das Urteil ist somit noch nicht rechtkräftig. (APA)

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