Cholesterinsenker Lipobay verzeichnet bereits 100 Todesfälle

18. Jänner 2002, 16:45
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Deutscher Konzern veröffentlichte vor Börsengang in den USA neue Daten

Leverkusen - Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Cholesterinsenker Lipobay in Verbindung gebracht werden, hat sich nach Angaben seines Herstellers Bayer weiter erhöht. "Die mit der Einnahme von Lipobay/Baycol in Verbindung stehende Zahl liegt bei rund 100," sagte ein Bayer-Sprecher am Freitag und bezog sich damit auf ein veröffentlichtes Dokument im Vorfeld des geplanten US-Börsengang in der kommenden Woche.

Zwei Zwischenfälle in Österreich

Bisher war die Zahl der Todesfälle, die mit der Verwendung des Arzneimittels zur Senkung des Cholesterinspiegels in Verbindung gebracht werden könnten, weltweit auf rund 50 geschätzt worden. In Österreich hatte es mit zwei solcher Zwischenfälle, die aber ohne längerfristige Folgen für die Patienten blieben, kaum Probleme gegeben.

Medikament in USA ist höher dosiert

Im vergangenen August hatte Bayer das Medikament mit dem hoch wirksamen Cholesterin-senkenden Wirkstoff Cerivastatin vom Markt genommen, nachdem Todesfälle weltweit mit seiner Einnahme in Verbindung gebracht wurden. Laut Experten dürfte für die schweren Zwischenfälle, die sich vor allem in den USA eingestellt hatten, die dort gebräuchliche im Vergleich zu Europa doppelt so hohe Dosierung (oft 0,8 Milligramm vom Start der Einnahme an) und die häufige - in Österreich de facto "verbotene" - Kombination mit der Einnahme eines Fibrat-Präparates zur zusätzlichen Senkung des Triglycerid-Spiegels verantwortlich gewesen sein.

Das Fibrat - vor dessen gleichzeitiger Anwendung in den Beipacktexten ausdrücklich gewarnt wurde - war in den USA zusätzlich auch offenbar noch rezeptfrei. Dadurch dürften manche Patienten in den Vereinigten Staaten ohne Kontrolle durch ihren Arzt die gefährliche Kombination eingenommen haben.(APA/Reuters)

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