Ärger über neue Pfandsätze

18. Jänner 2002, 15:21
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Konsumenten fühlen sich bei Rückgabe von "altem" Pfandgut übervorteilt

Wien - Wer Anfang Dezember eine Kiste Bier oder Mineralwasser erstanden hat und sie erst heute zurückgibt, wird in vielen Supermärkten - wenn er sehr genau rechnet - feststellen, dass das Pfand, das er zurückbekommt, sich nicht ganz mit dem deckt, was er vor Jahreswechsel bezahlt hat. In den meisten Fällen haben die Handelsketten zwar mit Informations-Blättern und Umstellungsfristen versucht, zu Gunsten der Kunden vorzugehen, angesichts der unterschiedlichen Vorgangsweisen und kurzen Fristen fühlen sich offenbar doch viele Konsumenten übervorteilt.

Auf der Euro-Homepage der Arbeiterkammer im Internet, finden sich bereits erste Beschwerden über die "Rundungsdifferenz" beim Flaschenpfand. Ein Konsument machte sich sogar die Mühe zu berechnen, dass dieser kleine Unterschied bei den Kisten den Getränkekonzernen ein "Körberlgeld" von mehr als 2,160.000 S oder 156.973 Euro bringen würde, wenn jeder der rund 3 Mill. Haushalte in Österreich eine Kiste zu Hause hatte, die er erst nach der Umstellung zurückgebracht hat oder zurückbringt.

Normale Bierflasche jetzt teurer

Mit Ausnahme des Euro-Pfands auf "normale" Bierflaschen, das mit 9 Cent (1,238 S) um knapp 4 Groschen höher liegt als vor der Euro-Umstellung (1,20 S), sind die neuen Euro-Pfandsätze durchgehend niedriger als die früheren in Schilling. In den meisten Fällen ist die Differenz zwar minimal, bei der leeren Kiste (Bier, Mineralwasser etc.) für die bisher 42 S Pfand zu bezahlen waren, sind es jetzt jedoch nur noch 3 Euro und somit um 72 Groschen weniger als davor.

"Die Sätze sind zum Teil minimal höher und zum Teil minimal niedriger", beschwichtigt die Geschäftsführerin des Getränkeverbandes Jutta Kaufmann. Die neuen Sätze seien bereits im Herbst 2001 zwischen Handel und Getränkeindustrie vereinbart und auch mit der Arbeiterkammer akkordiert worden. Karl Kollmann, Konsumentenschützer in der Arbeiterkammer (AK), hat zwar an der Pfandhöhe nichts auszusetzen, aber am Zeitpunkt: "Ausgemacht war, dass der Handel erst im März umstellt".

Übergangsfristen bei Spar und BML

Die beiden größten Supermarktketten des Landes, Spar und BML (Billa, Merkur, Mondo) versuchten das Problem mit Übergangsfristen zu lösen. "Wir haben in den letzten beiden Dezemberwochen bereits das niedrigere Pfand kassiert aber weiterhin das höhere zurückgegeben", betont Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Die Kunden seien durch Informationen bei den Automaten von der Umstellung informiert worden.

Beim Marktführer BML waren die ersten beiden Jännerwochen die Übergangsfrist, in der an der Kasse niedrigeren Sätze kassiert, während bei den Getränkeautomaten noch die höheren, alten Schillingsätze retourniert wurden. "Seit 14. Jänner müssten 75 Prozent unserer Automaten umgestellt sein", so Sabine Thaler, die bei Billa für die Euro-Umstellung zuständig ist. In den übrigen Filialen sei die Umstellung in Arbeit.

Wer somit eine Kiste mit 12 leeren Mineralwasser-Flaschen, die er Anfang Dezember gekauft hat, erst diese Woche zurückgebracht hat, bekam statt 90 S nur noch 6,48 Euro oder 89,17 S zurück. Bei einer Kiste Kapsreiter-Bier (mit Bügelverschluss) betrug die Differenz sogar 1,65 S. Einen kleinen Vorteil haben dagegen "Normal"-Biertrinker: Für 20 Bierflaschen inklusive Kiste spuckt der Automat jetzt 4,80 Euro oder 66,05 S aus, um 5 Groschen mehr als zu reinen Schillingzeiten. Das höhere Euro-Pfand auf die Bierflaschen übersteigt die Einbußen beim Kistenpfand. (APA)

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