"Schwarzes Jahr" für Pensionskassen

17. Jänner 2002, 14:47
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Jeder siebente Zusatzpensionsbezieher ist "Opfer"

Wien - Angesichts der schwachen Börsenentwicklung war 2001 auch für die heimischen Pensionskassen ein "schwarzes Jahr". Deshalb gibt es heuer für 5.320 der insgesamt 36.000 Zusatzpensionsbezieher eine Leistungskürzung um im Schnitt zirka drei Prozent. Im Mittel haben die 19 Pensionskassen nach Angaben des Fachverbands im Vorjahr eine negative Performance von knapp über 1 1/2 Prozent aufgewiesen, wobei die 107 Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (VRG) zwischen -5 und +5 Prozent streuten, im Jahr davor waren es -2 bis +6 Prozent Allerdings gab es in den elf Jahren seit Einrichtung der Kassen in Österreich lediglich drei Minus-Jahre, und im Durchschnitt aller elf Jahre gab es immerhin einen Wertzuwachs von etwa 8 Prozent jährlich.

Fachverbands-Vorsteher Dietmar Neyer sieht daher das System der Pensionskassen auch durch das - nicht zuletzt wegen der Terrorakte vom 11. September - besonders schwierige Börsejahr 2001 "nicht in Frage gestellt", wie er am Donnerstag in einem Pressegespräch mit Fachverbands-Geschäftsführer Fritz Janda betonte. Zu diesen Kassen gebe es auch nach dem 11. September "keine Alternative", und die Zeichen für 2002 und 2003 stünden wieder auf Wachstum.

Kürzungen nur bei beitragsorientierten Zusatzpensionen

Geht man von gut 110 Mrd. S (7,99 Mrd. Euro) aus, die die 12 betrieblichen und 7 überbetrieblichen Pensionskassen zur Zeit für 323.000 Anwartschafts- und Leistungsberechtigte verwalten dürften, so macht die vorjährige Negativ-Performance von 1,6 Prozent rechnerisch 1,8 Mrd. S aus. Davon dürften jedoch zumindest drei Viertel durch die Schwankungsrückstellungen der Kassen "aufgefangen" werden können, schätzt etwa Christian Böhm, Vorstandschef der APK Pensionskassen AG.

Kürzungen der Zusatzpensionen seien ohnedies nur bei jenen zwei Drittel der Verträge möglich, die beitragsorientiert gestaltet sind. Bei leistungsorientierten VRG, wo also eine bestimmte Pensionshöhe vereinbart ist, könne es ohnedies zu keiner Kürzung kommen, so Janda.

Starke Streuungen

Anhand eines "Muster-Veranlagungskreises" (VGR) veranschaulichte Fachverbands-Vorsteher Dietmar Neyer, wie stark der Wertzuwachs in einzelnen Jahren schwanken kann: Während bei diesem "VGR X", der dem Durchschnitt aller VGR nahe komme, im Vorjahr -1,6 Prozent Performance und im Jahr davor -1,9 Prozent Wertverlust hingenommen werden mussten, brachten die besten Jahre deutlich zweistellige Wertzuwächse, zum Beispiel +14,2 Prozent im Spitzenjahr 1993, 12,4 Prozent 1992, 11,8 Prozent 1996 und 11,5 Prozent 1999. Im Zeitraum 1991 bis 2001 habe der Zuwachs 7,9 Prozent im Jahr betragen.

Auch die Performance aller Veranlagungs- und Risikogemeinschaften der heimischen Pensionskassen streute in den vergangenen Jahren sehr stark: Im Vorjahr waren es zwischen -5 und +5 Prozent, im ebenfalls schon schwierigen Börsenjahr 2000 zwischen -2 und +6 Prozent, dagegen im exzellenten Veranlagungsjahr 1998 zwischen +11 und +19 Prozent, jeweils stark abhängig vom jeweiligen Aktienanteil in den VGR.

Wer sich 2001 ausgerechnet am 24. September sein Wertpapierdepot angesehen hat, hätte - gemessen am MSCI-World-Index - ein Minus von 30 Prozent registriert. "Hätten die österreichischen Pensionskassen an diesem Stichtag abgerechnet, so wären die Ergebnisse je nach Aktiengewichtung zwischen -11 und -5 Prozent gelegen", so Neyer.

Von der künftigen Neuregelung der Abfertigung erwarten sich die Pensionskassen nach früheren Angaben einen Vermögensschub von zusätzlich 20 Mrd. S binnen weniger Jahre. Am Donnerstag wollten die Fachverbandsvertreter zum Thema "Abfertigung neu" nichts Näheres sagen: "Über ungelegte Eier soll man nicht gackern", so Janda. (APA)

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