Neuer Markt nach der Krise

16. Jänner 2002, 20:01
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Karl Fickel, Lupus alpha: "Man kann noch aus 100-120 interessanten Aktien auswählen."

Karl Fickel, Mitgründer von Lupus alpha Asset Management und Fondsmanager des Lupus alpha Neue Märkte Plus erwartet den Nemax bei 1500 Punkten per 31.12.2002. High-Tech und Internet Infrastruktur gefallen Ihm dabei besonders. Warum die meisten Neue Markt Fonds im letzten Quartal viel schlechter waren als der Nemax und was er über den neuen Nemax-50-Stimmungsindikator der Deutschen Börse denkt erfahren Sie im folgenden Interview.

e-fundresearch/Frankfurt: "Herr Fickel, Sie sind einer der Gründer von Lupus alpha Asset Management und u.a. verantwortlich für den Lupus alpha Neue Märkte Plus. Welche Aussichten hat der Neue Markt in diesem Jahr bzw. welche Sektoren oder Einzeltitel favorisieren Sie aktuell?"

Karl Fickel: "Der Neue Markt hat für uns ein Kursziel am Ende des Jahres von etwa 1500 Punkten. Hier ist aber das Verlaufsbild im Jahr 2002 entscheidend: Wir gehen von einem eher positiven 1. Quartal aus, da hier noch ein Liquiditätsstau besteht.

Ab Mitte Februar ist weiter entscheidend wie die Ergebnisse des 4. Quartals 2001 ausfallen und wie die Auftragslage ist. Mit zunehmender Bestätigung der Wirtschaftslage wird sich dann der Weg aber trennen: Entweder man wird auf diesen Niveaus verharren oder es kommt eine Enttäuschung, etwa eine konjunkturelle Erholung erst im Jahr 2003. Das 2. und 3. Quartal wird daher besonders volatil werden, auf Jahressicht sind wir aber positiv."

e-fundresearch/Frankfurt: "Und wie sieht es bei den Sektoren bzw. Einzeltitel aus?"

Karl Fickel: "Auch das hängt natürlich von der Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Es werden sicherlich High-Tech Werte, die eine längere Vorlaufzeit haben, profitieren. Überraschen könnte 2002, aber das ist mit aller Vorsicht zu genießen, aber das Internet. Hier aber nicht die Dienstleister sondern etwa die Infrastruktur-Lieferanten."

e-fundresearch/Frankfurt: "Wie groß ist der Neue Markt eigentlich noch für Fondsmanager? Wie viele Unternehmen umfasst der gesamte Markt und in wie viele kann man als Fondsmanager überhaupt noch investieren bzw. wie viel Market Cap macht das noch aus?"

Karl Fickel: "Der Neue Markt hat aktuell noch eine Marktkapitalisierung von ca. 50 Mrd. Euro. Das ist gegenüber den Höchstständen natürlich dramatisch niedriger. In was kann man nun investieren? Viele Aktien aus dem Micro-Cap Bereich sind verschwunden und den übrig gebliebenen fehlt meistens auch der Designated Sponsor - hier muss man also sehr vorsichtig sein. Bei Lupus alpha haben wir aber keine Untergrenze für die Marktkapitalisierung, unter der wir Firmen nicht mehr anschauen. Vielmehr kommt es uns auf das Geschäftsmodell der Firma an. Übrig bleiben etwa 100-120 Firmen."

e-fundresearch/Frankfurt: "Viele Fonds am Neuen Markt, Ihrer mit eingeschlossen, haben die herausragende Performance des Nemax seit Ende September 2001 nicht mitgemacht. Haben Sie dafür Gründe?"

Karl Fickel: "Wenn Sie sich die Entwicklung von Ende September bis Mitte November sehen Sie eine riesige Diskrepanz zwischen Nemax-50 und Nemax-All-Share. das kommt daher, dass nach dem 21. September ein absoluter Tiefpunkt bei 700 Punkten erreicht wurde an dem so genanntes "unstrukturiertes" Geld in den Markt geflossen ist.

Dieses Geld ist hauptsächlich in die Futures und in große Titel wie T-Online geflossen. T-Online ist aber ein Spezialfall, einen Titel den man gar nicht nachbilden konnte da er über 14% im Index gewichtet war und ein Fonds das eben rechtlich nicht nachbilden darf. Im Grunde waren diese beiden Punkte der Grund für die Underperformance, Fonds waren auf Grund der Risikostreuung also benachteiligt. Die Situation war keine schöne, hat uns aber nicht überrascht.

Unser Ziel, ansonst hat man als aktiver Fondsmanager keine Berechtigung, ist es aber über mittelfristige Zeiträume - etwa auf Jahressicht - den Vergleichsindex zu schlagen."

e-fundresearch/Frankfurt: "Was halten Sie vom, am 10.1. von der Deutschen Börse, gestarteten Sentiment-Indikator für den Nemax-50. Ein geeigneter Kontraindikator auch für Privatanleger?"

Karl Fickel: "Dieser Stimmungsindikator ist der absolut richtige Schritt, das wird sehr interessant. Die Historie ist aber noch zu kurz und auch die Teilnehmerzahl ist noch zu gering um ein repräsentatives Bild abzugeben. Man muss das aber unterstützen - die großen Wirtschaftsinstitute haben ja auch Stimmungsindikatoren. Wir selbst nehmen an diesem Panel teil, wobei die Repräsentanz aber - wie gesagt - noch nicht ganz gegeben ist. Vielleicht wird man diesen Indikator aber einmal als Kontra- oder als Vorlaufindikator benützen können."

e-fundresearch/Frankfurt: "Welche Konsequenzen erwarten Sie von der geplanten Umstellung des Nemax-50 auf Free Float?"

Karl Fickel: "Das begrüße ich sehr. Bis dato wurde dieser Index nur aufgrund der Marktkapitalisierung gewichtet, das sagt aber relativ wenig: Was nützt Ihnen die Marktkapitalisierung wenn Sie in das Unternehmen nicht investieren können? Hier wird es sicher die eine oder andere Verwerfung geben, etwa bei T-Online."

e-fundresearch/Frankfurt: "Herr Fickel, vielen Dank für das Gespräch!"

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