Jugoslawischer Generalstabschef wirft Amtsvorgänger Putschpläne vor

17. Jänner 2002, 09:48
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Perisic soll Ermordung von Oppositionsführern geplant haben

Belgrad - Zwischen dem jugoslawischen Generalstabschef Nebojsa Pavkovic und seinem einstigen Amtsvorgänger Momcilo Perisic tobt ein Wortgefecht, das eine neue Krise im regierenden DOS-Bündnis auslösen könnte. General Pavkovic hatte dem serbischen Vizeministerpräsidenten Perisic, der zwischen 1993 und 1998 das Amt des jugoslawischen Generalstabschefs innehatte, vorgeworfen, im Jahre 1997 die Ermordung von Oppositionsführern und einen Militärputsch geplant zu haben.

Den Beschuldigungen schloss sich inzwischen auch der DOS-Spitzenfunktionär Velimir Ilic an, der nach der Wende in Belgrad im Oktober 2000 ein Dokument mit der Unterschrift des einstigen Generalstabchefs gesehen haben will. Demnach soll Perisic die Ermordung von Oppositionsführern, darunter Vojislav Kostunica, Zoran Djindjic und Vuk Draskovic, aber auch des damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic selbst sowie die Machtübernahme durch das Militär geplant haben. Perisic wies die Beschuldigungen am Mittwoch als lächerlich zurück.

Der Führer der Sozialdemokratischen Partei, der einstige Militärsprecher Vuk Obradovic, setzte sich unterdessen für die Bildung einer Parlamentskommission ein, die die Geschehnisse in den Reihen des Militärs in den letzten Jahren der Ära Milosevic unter die Lupe nehmen soll. Andere DOS-Führer unterließen es, sich zur jüngsten Affäre zu äußern.

Im Hintergrund der Abrechnung zwischen Pavkovic und Perisic dürfte die Tatsache stehen, dass beide sehr gute Kenntnisse über die Militäraktionen Belgrads während der Kriegsjahre besitzen. Sie beide dürften seitens der Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte, als wertvolle Zeugen in den Prozessen gegen Milosevic betrachtet werden. Ihr Wortgefecht soll womöglich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ablenken.

Belgrader Medien befassen sich unterdessen intensiv mit Spekulationen über die Identität von rund 20 geschützten Zeugen, die im Prozess gegen Milosevic wegen Kriegsverbrechen im Kosovo, dessen Beginn für 12. Februar angesetzt ist, aussagen werden. Es soll sich mehrheitlich um engste Mitarbeiter des früheren jugoslawischen Präsidenten handeln. (APA)

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