Debatte über Liberalisierung des Gastgewerbes geht weiter

17. Jänner 2002, 14:12
posten

Rossmann sieht "Inländerdiskriminierung gegenüber anderen EU-Bürgern

Wien - Die Debatte über die von Tourismus-Staatssekretärin Mares Rossmann (F) geforderte Liberalisierung des Gastgewerbes geht weiter. Rossmann hat am Donnerstag erneut darauf gedrängt, das Gastgewerbe freizugeben, da die derzeitige Regelung "eine klare Inländerdiskriminierung gegenüber anderen EU-Bürgern" darstelle. Herbe Kritik kommt von der Gewerkschaft, der Wirtschaftskammer und dem Wiener Wirtschaftsverband.

Der Gastgewerbezugang müsse in Österreich an die Regelung in den Nachbarländern angeglichen werden, forderte Rossmann in einer Aussendung. Derzeit gebe es eine krasse Benachteiligung für österreichische Unternehmer. Laut deutschem Gaststättengesetz sei für die Erteilung einer Erlaubnis zur Eröffnung eines Lokals lediglich der Nachweis eines 7-stündigen Kurses bei der Industrie- und Handelskammer über lebensmittelsrechtliche Fragen zu erbringen, wobei die Bestätigung eines Kursbesuchs reiche, eine Abschlussprüfung werde nicht verlangt.

In Italien hingegen könne man im Gegensatz zu Österreich sofort nach Absolvierung einer Tourismus-Fachschule oder nach 3-jähriger nachgewiesener Praxis ohne zusätzlichen Befähigungsnachweis einen Betrieb eröffnen.

Qualitätsniveau muss garantiert sein

Die angekündigten Liberalisierungsschritte dürften nicht dazu führen, dass das österreichische Qualitätsniveau, insbesondere im Tourismusbereich, ausgehöhlt werde, betonte der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, Matthias Krenn, heute in einer Aussendung des Rings Reiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW). Es dürfe nicht dazu kommen, dass Fast-Food zum Maß aller Dinge gemacht und den Gästen vorgegaukelt werde, der Markt würde alles regeln. "Das bisherige Ausbildungsniveau hat den österreichischen Weltruhm auf gastronomischer Ebene begründet und dabei soll es auch bleiben, daher dürften die Entscheidungen nicht über die Köpfe der Träger des positiven Tourismusimages getroffen werden.", so Krenn.

Der Vorstoß Rossmanns wurde bisher bereits von Wirtschaftskammer und Gewerkschaft heftig kritisiert. Eine Abschaffung des Befähigungsnachweises im Gastgewerbes sei "ein deutliches Zeichen der Missachtung eines der bedeutendsten Dienstleister-Berufsbildes des Fremdenverkehrlandes Österreich", monierte heute auch der Wiener Wirtschaftsverband. Besonders befremdlich sei, dass Frau Rossmann selbst aus der Gastronomie komme, polemisiert der Vorsitzende der Sparte Tourismus und Gastronomie im Wiener Wirtschaftsverband, Willy Turecek: "Vielleicht schließt Rossmann von sich auf andere, wenn sie meint, im Gastgewerbe keine Kenntnisse zu benötigen." (APA)

Share if you care.