Justizirrtum in London: 27 Jahre Haft umsonst

15. Jänner 2002, 22:29
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Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe

London - Nach 27 Jahren Haft hat ein Londoner Berufungsgericht die Verurteilung eines 45-jährigen Briten wegen Mordes revidiert. Der Fall galt als einer der schlimmsten Justizirrtümer in der Geschichte Großbritanniens. Stephen Downing war 1973 beschuldigt worden, die Sekretärin Wendy Sewell auf dem Friedhof der Stadt Bakewall erschlagen zu haben. Im Februar vergangenen Jahres wurde er gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt.

Das Gericht befand in dem Berufungsverfahren, die Verurteilung sei "mit Zweifeln behaftet" gewesen. Entgegen der Forderung der Anwälte des 45-Jährigen erklärten die drei Richter Downing jedoch nicht offiziell für unschuldig.

Downing arbeitete zum Zeitpunkt des Mordes als Wärter auf dem Friedhof von Bakewall. Er entdeckte die Leiche der Frau und rief Hilfe. Der damals 17-Jährige war geistig auf dem Stand eines Elfjährigen. Nach achtstündiger Befragung durch die Polizei unterschrieb er ein Geständnis, ohne zuvor mit einem Anwalt gesprochen zu haben. Während seiner Haftzeit hatte Downing immer seine Unschuld beteuert. Hätte er die Tat zugegeben, wäre er bereits 1990 aus dem Gefängnis entlassen worden. Jetzt kann er nach Medienberichten mit Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe rechnen. (APA)

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