"Ich kann mich mit 'Sex Sells' überhaupt nicht abfinden"

27. Jänner 2002, 07:06
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Katrin Plavcak, Sängerin und Texterin von "Blendwerk" im Gespräch, mit Audiogustostück

dieStandard.at: Wie schaut es deiner Meinung um die österreichische Musikszene aus? Werden auch in Zukunft nur die DJ Ötzis Erfolg haben?

Katrin Plavcak: Was heißt schon Erfolg? Sein Manager ist halt nach Mallorca und auf Skihütten gefahren und hat ihn dort voll vermarktet. Und klar hören ihn sogar ein paar Engländer, aber für diesen Musikgeschmack wollen wir ja gar nicht spielen ...

Wir treten ja auch nicht an, um die Hitparaden zu stürmen, sondern um qualitativ hochwertige Musik zu machen. Ich bin ja in erster Linie bildende Künstlerin und die anderen haben auch Jobs. Trotzdem würden wir gerne von unserer künstlerischen Arbeit leben um uns voll darauf konzentrieren zu können. Mittlerweile haben wir ja schon den dritten Tonträger herausgebracht. In Wien dauert das auch ziemlich lang, bis man sich einen Namen gemacht hat.

dieStandard.at: Und was sind da die vordergründigsten Probleme?

Katrin Plavcak: Es gibt halt in Wien relativ wenig Clubs. Und für eine junge Band ist es das wichtigste, dass man live auftreten kann und auch eine angemessene Gage bekommt. Es sollten mehr kleinen Clubs Konzerte veranstalten und eine eigene Linie haben, wo man dann sicher sein kann, dass auch wenn eine unbekannte Band auftritt, gute Musik geboten wird. Die Leute sollten sowieso mehr zu Konzerten gehen :-)

dieStandard.at: Brauchts miese Qualität, dass sich ein grosser Erfolg einstellt?

Katrin Plavcak: Ich glaube schon, dass es gute Musiker in Österreich gibt. Aber ich glaube, die flüchten ins Ausland ... Wir haben alle 3 Tonträger in Eigenproduktion rausgebracht, die Grafiken selber gemacht und alles selber finanziert. Im Vertrieb sind wir bei TROST.

dieStandard.at: Du hast vorher gemeint: "Was ist schon Erfolg?" Ich geb' die Frage einfach mal zurück ...

Katrin Plavcak: Ich bin erst mit 25 in eine Band eingestiegen und mir macht das sehr viel Spaß. Als Künstlerin arbeitet man hauptsächlich allein an einem Projekt und in der Band kommt es sehr stark auf Zusammenarbeit an.

Für uns als Band ist es vor allem wichtig, besser zu werden und gute Songs zu produzieren. Wenn wir dann vor vollem Haus spielen und die Leute einen Spaß haben, dann ist das für mich schon ein Erfolg.

dieStandard.at: Du hast ja in eurer Band schon eher die klassische Position als Sängerin ...

Katrin Plavcak: Ja, ich mach aber auch die Texte und spiele Keyboard. Und meine Texte handeln vor allem von Frauen. Für mich ist es auch wichtig, so eine Art "Vorbild" zu sein. Klar gibt es etliche Sängerinnen, aber die meisten machen so auf "Girlgroup" und "Sex sells". Und damit kann ich mich halt überhaupt nicht abfinden. Ich hab mich auch noch nie mit einem Rock auf die Bühne gestellt, wenn ich auf der Bühne stehe, dann bin ich Musikerin. Und ich seh mich ja auch nicht als "Aufputz" der Band.

Was die österreichische Bandszene betrifft, glaub ich, dass sich da momentan sehr viel tut. Da passiert gerade sehr viel an Vernetzung, zum Beispiel vom music information center austria oder von Skug Research. Ich hab da ein gutes Gefühl.

dieStandard.at: Danke für das Interview.

Das Interview führte Elke Murlasits.

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