Fatah will an Waffenstillstand festhalten

15. Jänner 2002, 15:02
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PLO ruft "Al-Aksa-Brigaden" zur Ordnung

Tulkarem - Die Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat will nach eigenen Angaben an dem Waffenstillstand mit Israel festhalten. Anders lautende Erklärungen der "Al-Aksa-Märtyrerbrigaden" seien von der Fatah-Führung nicht autorisiert worden, teilte ein Sprecher der Organisation am Dienstag in Tulkarem im Westjordanland mit. Die Brigaden, eine Militärorganisation der Fatah, hatten sich am Vortag zur Tötung eines israelischen Soldaten bekannt und sie als Vergeltung für den Tod eines ihrer Anführer bezeichnet.

Die Fatah-Organisation bleibe in ihrer Gesamtheit an die Waffenstillstandsanordnung vom 16. Dezember von Präsident Arafat gebunden, sagte der Sprecher. Der israelische Soldat war wenige Stunden nach dem Tod des Brigaden-Anführers Raed Karmi in Tulkarem getötet worden. Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer wies palästinensische Vorwürfe zurück, Karmi sei von israelischen Einheiten gezielt getötet worden. Bei der Beisetzung Karmis in Tulkarem forderten am Dienstag 15.000 Demonstranten Vergeltung. Bewaffnete Milizionäre schossen in die Luft, einer von ihnen rief: "Siedler, nehmt Euch in Acht!"

"Gezielte Tötung Karmis"

Die Palästinenser warfen Israel vor, den auf der israelischen Fahndungsliste stehenden Karmi gezielt mit einer Bombe getötet zu haben. Der palästinensische Sicherheitschef im Westjordanland, Oberst Jibril Rajoub, sagte, die Tötung Karmis sei Teil der Strategie von Israels Regierungschef Ariel Sharon, die Gewaltspirale weiter zu drehen. Ben-Eliezer sprach dagegen von einem "Arbeitsunfall", eine Formulierung, die Israel gewöhnlich verwendet, wenn sich ein Attentäter versehentlich selbst in die Luft gesprengt haben soll. Die israelische Armee lehnte weiterhin eine Stellungnahme zu dem Vorfall ab.

Der israelische Rundfunk meldete unter Berufung auf palästinensische Sicherheitskreise, die Autonomiebehörde habe vor drei Wochen den israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Beth um Erlaubnis gebeten, Karmi von Tulkarem in ein sicheres Gefängnis in Ramallah zu transportieren. Shin Beth habe dies jedoch abgelehnt. Israel habe Karmis Bewegungen verfolgt, um ihn liquidieren zu können. Dies wurde jedoch von israelischer Seite bestritten. (APA/Reuters)

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