80-Jahr-Feier im Wiener Landtag

15. Jänner 2002, 13:44
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Wien seit 1922 eigenes Bundesland - Klestil: "Entscheidende Umbrüche" in dieser Zeit

Wien - Im Wiener Rathaus haben sich am Dienstag zahlreiche Gäste eingefunden, um einem ganz besonderen Jubilar zu seinem 80. Geburtstag zu gratulieren: dem Wiener Landtag. Mit einem Gesetz vom 29. Dezember 1921 wurde die Trennung von Wien und Niederösterreich, die ab dem 1. Jänner 1922 Gültigkeit besaß, vollzogen. Wien wurde ein eigenes Bundesland. Bundespräsident Thomas Klestil erinnerte bei der Festveranstaltung an "entscheidende Umbrüche", die seither stattgefunden haben.

80 Jahre seien, so sagte Klestil in seiner Rede, in der Geschichte Wiens - im großen historischen Bogen vom römischen Kastell Vindobona bis zur Metropole des 21. Jahrhunderts - eine kurze Zeitspanne. Doch es habe sich viel verändert: "Neue Formen des Wohnens, der Hygiene, der Gesundheits- und Energieversorgung, eine Revolution in der Arbeitswelt, eine rasche Zunahme der Mobilität der Bürger und des Verkehrs haben die urbane Politik vor gewaltige Herausforderungen gestellt."

Damit seien auch "tiefgreifende Veränderungen" im Bewusststein und in den Bedürfnissen der Stadtbewohner einhergegangen: neue Familienformen, eine Revolution der Freizeitkultur, das veränderte Verhältnis zur Umwelt als "Natur in der Stadt". "Die kommunalpolitischen Weichenstellungen dieser Stadt wurden und werden international bewundert und vielfach auch nachgeahmt", betonte Klestil, der auch auf die Herausforderungen der kommenden Jahre verwies - etwa die Öffnung der europäischen Union nach Osten.

Der Gastgeber, Landeshauptmann und Bürgermeister Michael Häupl (S), widmete sich ebenfalls dem Verhältnis der Länder und der Union: "Wir betonen die Pflicht zur Mitarbeit an der europäischen Verfassung. Regionale Demokratie hat ein wesentlicher Bestandteil des neuen Europas zu sein. Nur ein Europa der Regionen ist ein demokratisches Europa."

Zu dem Festakt im Rathaus waren neben Häupl und Klestil eine ganze Reihe prominenter Gäste erschienen, darunter Altbundeskanzler Franz Vranitzky (S), Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger (S) sowie Vertreter der derzeitigen Stadtregierung und zahlreiche Mitglieder des Landtages samt ihrem Präsidenten Johann Hatzl (S). Auch zwei ehemalige "Hausherren" erwiesen dem Jubilar ihre Ehre: Die Altbürgermeister Helmut Zilk (S) und Leopold Gratz (S).

Auf dem Programm der Veranstaltung stand unter anderem ein musikalischer und fotografischer Streifzug durch die Wiener Geschichte der vergangenen 80 Jahre, präsentiert von Fritz Muliar, Thaddäus Podgorski und Sabine Zink. Der anschließende kulinarische Streifzug war der Geschichte einer "urwienerischen" Einrichtung namens Kaffeehaus gewidmet: Auf die Gäste warteten ein klassisches Kaffeehaus, ein Espresso im Stil der 50-er Jahre (mit originalen Möbeln) und ein modernes Internetcafe - betrieben vom US-Konzern "Starbucks". (APA)

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