Friedensprozess wird wieder aufgenommen

15. Jänner 2002, 18:08
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Internationale Vermittlungen zeigten Erfolg

Bogotá/Montevideo - Dank internationaler Vermittlungen ist der Friedensprozess in Kolumbien in letzter Minute gerettet worden. Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) lenkten ein und bestanden nicht weiter auf die Aufhebung der Militärpatrouillen um ihr Autonomiegebiet. Präsident Andrés Pastrana begrüßte das Einlenken der Rebellen, meinte aber auch, die Guerilla müsse in den nächsten Tagen ernsthaft über eine Waffenruhe und die Einstellung von Entführungen diskutieren. Am 20. Jänner läuft offiziell die Frist für die entmilitarisierte Zone ab, er werde dann angesichts der Fortschritte bei den Verhandlungen über eine weitere Verlängerung nachdenken.

Wie berichtet, hatte Pastrana vergangene Woche den Friedensprozess mangels Verhandlungswillen der Farc für beendet erklärt und den Rebellen 48 Stunden Zeit zur Räumung der Zone gegeben. Er konnte sich dabei auf Umfragen stützen, wonach die Bevölkerung nach drei ergebnislosen Verhandlungsjahren keine Zugeständnisse an die Farc mehr sehen wollte. Der französische Botschafter Daniel Parfait hatte zusammen mit anderen Botschaftern, Kirchenvertretern und dem UN-Sondergesandten James Lemoyne bis Montagabend mit den Farc verhandelt.

Neue Dynamik

Nach Ansicht des Analysten Vicente Torrijos könnte nun eine neue Dynamik in den Friedensprozess kommen. Die Farc hätten eingelenkt, da sie sich trotz ihrer militärischen Stärke - sie kontrollieren fast die Hälfte des Landes und haben rund 17.000 Frauen und Männer unter Waffen - nicht mit der von den USA aufgerüsteten kolumbianischen Armee hätten messen wollen.

Der Abbruch der Friedensgespräche hatte besonders bei der Bevölkerung der entmilitarisierten Zone die Furcht vor einem Blutbad geweckt. Die USA haben Kolumbien bereits mit etwa 1,5 Milliarden Euro (20,6 Milliarden Schilling) Militärhilfe unterstützt.
(DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2002)

Standard-Korrespondentin Sandra Weiss
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