Telefonica-Chef Alierta entlässt Führungsspitze wegen Indiskretionen

15. Jänner 2002, 16:33
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Alierta wegen Vorwürfen über Insidergeschäfte unter Druck

Der Skandal um angebliche Insidergeschäfte des derzeitigen Telefonica-Chefs Cesar Alierta hat zu ersten Erschütterungen beim spanischen Telefonkonzern geführt. Alierta habe überraschend der Führungsspitze der Mediensparte entlassen, berichtet die spanische Tageszeitung "El Mundo". Neben dem Chef der gesamten Mediensparte Juan Nieto mussten auch der Verantwortliche der Radiosparte sowie der Geschäftsführer des Pay-TV-Kanals Vía Digital abdanken.

Indiskretionen der Telefónica-Manager

Für die plötzlichen Entlassungen der Führungs-Troika dürfte allerdings weniger rückläufige Bilanzzahlen im Medienbereich sein, als viel mehr angebliche Indiskretionen der Telefónica-Manager gegenüber "El Mundo".

Die Zeitung wirft Alierta vor, er habe sich als damaliger Chef des spanischen Tabakkonzerns Tabacalera durch Insidergeschäfte und Aktiengeschäfte von Verwandten illegal bereichert. Laut Bericht soll Alierta seinem Neffen Luis Javier Placer 1997 2,3 Mill. Euro zur Verfügung gestellt haben, um damit Aktien von Tabacalera zu erwerben. In spanischen Medienkreisen gilt die Kampagne der Zeitung gegen den Telefónica-Chef als Rachefeldzug von Pedro J. Ramírez, dem Chefredakteur von "El Mundo".

"Big Brother"

Erst kürzlich hatte César Alierta den Verkauf der zweitgrößten Radiokette Spaniens, "Onda Cero", an "El Mundo" abgelehnt. Die Entlassung der Führungsspitze löst nun einen weiteren Schlag für das krisengeschüttelte Medienunternehmen der Telefónica-Gruppe aus. Erst vor einigen Jahren hat der ehemalige Telefónica-Chef Juan Villalonga Milliardenbeträge in das Mediengeschäft gesteckt. Man kaufte sogar diverse neue Medienfirmen, unter denen vor allem die holländische TV-Produtionsfirma Endemol, der "Big Brother"-Schöpfer hervorsticht.

Trotz großer Probleme bei der Umstrukturierung und bei der stärkeren Anbindungsversuche der Medienunternehmen an den Telefónica-Konzern hat Alierta nun die Führungsspitze mit sofortiger Wirkung entlassen. Insider werten diesen Schritt des Telefónica-Chefs als Reaktion auf die Verantwortlichen, welche den Ankauf von "Onda Cero" durch "El Mundo" angeregt haben. Die entlassenen Chefs gelten als Quelle der in "El Mundo" erschienenen Anschuldigungen.

Eingestellt

Nun wurde der Chefposten der Medientochterunternehmen von Telefónica an Luis Abril, ein Vertrauensmann von Alierta, der erst vor einigen Monaten zum Telefonkonzern stieß, vergeben. Juan Kindelán löst Javier Gimeno als Chef von "Onda Cero" ab. Währenddessen veröffentlichte "El Mundo" heute, dass die Madrider Börsenaufsicht trotz der Hinweise auf illegale Insidergeschäfte Aliertas die Untersuchung noch vor Beginn einstellte.

Die Untersuchung waren zwar bereits aufgenommen worden, der damalige verantwortliche Beamte, Antonio Alonso Ureba, scheint jedoch angeordnet zu haben, die Unterlagen zu den Akten zu legen. Ureba ist heute Telefónica-Generalsekretär. César Alierta weist die Vorwürfe weiterhin zurück. "Ich habe kein Insiderwissen missbraucht. Das zeigt doch, dass ich nicht einmal von der Börsenaufsicht benachrichtigt worden bin", so Alierta gegenüber "El Mundo". (APA)

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