Kolumbien: Armee bereitet Offensive auf FARC-Enklave vor

14. Jänner 2002, 08:40
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12.000 Soldaten im Einsatz

San Vincente - In Kolumbien hat sich in der Nacht zum Montag die Armee auf eine Offensive auf eine Rebellen-Enklave im Süden des Landes vorbereitet. 12.000 Soldaten rückten weiter auf die Enklave von der Größe der Schweiz vor, in der sich rund 17.000 Kämpfer der linksgerichteten Rebellen-Organisation FARC eigenen Angaben zufolge aus den Städten in die Dschungelgebiete zurückzogen. Kolumbiens Präsident Andres Pastrana beriet sich mit dem Verteidigungsminister seiner Regierung sowie der Armeeführung. "Die Armee ist bereit, andere Kräfte davon abzuhalten, ihren Zugang zu verhindern", sagte Armeechef Fernando Tapias.

Unter den 12.000 Soldaten befinden sich offiziellen Angaben zufolge 4.500 Spezialkräfte. Pastrana hat den Rebellen eine Frist bis Montagabend (03.30 Uhr Dienstag MEZ) gesetzt, bis zu der sie entweder den Forderungen der Regierung nachkommen oder das Gebiet verlassen sollen. Die Regierung fordert einen Waffenstillstand und ein Ende aller Entführungen durch die Rebellen, bevor die Gespräche über eine Beendigung des seit 37 Jahren andauernden Bürgerkrieges in dem Land fortgesetzt werden. Die FARC ging in ihrer jüngsten Erklärung auf die Forderungen nicht ein, sondern teilte mit, sie werde sich in die Dschungelgebiete der Enklave zurückziehen.

Trotz der seit Anfang 1999 laufenden Friedensgespräche hatte die FARC ihre Aktivitäten verstärkt und offiziellen Angaben zufolge jährlich bis zu 3.000 Entführungen verübt. Sie nutzt die Lösegelder für ihre Finanzierung.

In dem Bürgerkrieg sind bisher mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen, mehr als eine Million Menschen sind aus den Kampfgebieten geflüchtet. Außer der FARC ist die ebenfalls linksgerichtete ELN beteiligt sowie rechtsgerichtete paramilitärische Gruppen, die größte davon hat 8000 Kämpfer. Internationale Menschenrechtsgruppen werfen allen Beteiligten, auch der Armee, schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen sowie die Verwicklung in Drogenhandel und Korruption vor. (APA/Reuters)

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