"Happy Times", Gala mit Deneuve und Andre Heller über "Hitlers Sekretärin"

17. Jänner 2002, 21:01
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Programm der Berlinale nimmt mehr Konturen an

Berlin - Der neue Film des chinesischen Regisseurs Zhang Yimou, "Happy Times", wird im Wettbewerbsprogramm der 52. Internationalen Filmfestspiele in Berlin (6.-17. Februar) außer Konkurrenz gezeigt, teilte der Verleih Twentieth Century Fox am Montag mit. Die Filmkomödie erzähle von einem "nicht mehr ganz so jungen" Mann, "der endlich die perfekte Frau fürs Leben sucht".

Yimou, der zu den bedeutendsten Regisseuren der Volksrepublik China zählt, wird mit seinen Hauptdarstellern nach Berlin kommen. Weltbekannt wurde er 1988, als er auf der Berlinale mit seinem Film "Rotes Kornfeld" überraschend den Goldenen Bären gewann.

Gala

Mit einer Gala soll die Berlinale mehr Glamour erhalten. Unter dem Motto "Cinema for Peace" wird daher erstmals ein Fest im Berliner Konzerthaus stattfinden, Gastgeberin werde die französische Schauspielerin Catherine Deneuve sein. Für eine Benefiz-Auktion zu Gunsten der UNICEF-Kampagne "Kinder in Kriegsgebieten" habe die Schauspielerin Julia Roberts ihr Lieblingskostüm aus ihrer Rolle im Film "Erin Brockovich" zur Verfügung gestellt.

Panorama füllt sich

Zwei Drittel der Filme in der Autorenfilm-Reihe "Panorama" der 52. Internationalen Filmfestspiele Berlin stehen fest. Bisher sind rund 40 Filme aus 26 Ländern bestätigt, deren Produktionen aus über 1.500 Filmen ausgewählt worden sind, teilte die Berlinale via Aussendung mit.

Österreich ist mit der 90-minütigen Dokumentation "Im toten Winkel. Hitlers Sekretärin" von Andre Heller und Othmar Schmiderer über Traudl Junge, die von Herbst 1942 bis zu dessen Tod Hitlers Privatsekretärin war, vertreten. Den Hauptanteil der bisher bestätigten Filme steuern die USA, Frankreich, Japan und Deutschland bei.

In "Im toten Winkel" spricht die 81-jährige Junge "erstmals vor der Kamera" über ihr "sehr spezifisches Leben", heißt es in den Unterlagen zum Film. Im Interview mit Heller zeige sich Junge, die mit Hitler in der Wolfschanze, am Obersalzberg und zuletzt im Führerbunker der eingekesselten Hauptstadt Berlin zusammen war, als "wesentliche Augen- und Ohrenzeugin". Junge war es, der Hitler sein Testament diktierte.

Aus über zehn Stunden Material der im Frühjahr 2001 aufgenommenen Interviews erarbeiteten Heller und Schmiderer eine Dokumentation, die "auf jedes gestylte Beiwerk verzichtet und sich ganz auf die große Wirkung der Erzählerin verlässt". Junges Erfahrungen ließen sie zu einer "wütenden Gegnerin des Nationalsozialismus" werden, die außerstande "zu sein scheint", sich die jugendliche "Naivität und Ignoranz" zu verzeihen. Der von DOR Film produzierte Streifen zeigt Junges "einzigartige Erinnerungen, aber auch Verstörungen und Selbstreflexionen" im späteren Umgang mit der eigenen Geschichte.

Im "Panorama"-Programm der Berlinale sind weiters der Eröffnungsfilm des Sundance-Filmfestivals in Utah, Moises Kaufmans "The Laramie Project" mit Peter Fonda, Christina Ricci, Jeremy Davis, Steve Buscemi und anderen, ebenso wie der Dokumentarfilm "Marlene Dietrich - Her own Song" (D/USA) ihres Enkels David Riva in Erinnerung an Dietrichs 100. Geburtstag (27. 12. 2001) zu sehen. "Tunten lügen nicht" in Rosa von Praunheims gleichnamigem Film, der neben "Kriegerin des Lichts" von Monika Treut einer der Deutschland-Beiträge ist. Frankreich steuert unter anderem "Chaos" (Coline Serreau) bei. Wieder im "Panorama" ist Anne Wheeler mit ihrer kanadischen Produktion "Suddenly Naked".

Aus Spanien, im vorläufigen Programm mit drei Filmen vertreten, kommt unter anderem John Malkovichs "The Dancer Upstairs". Mit Mika Kaurismäkis "Moro no Brasil" wird eine deutsch-finnisch-französisch-brasilianische Koproduktion gezeigt. Weiters gibt es die britische Produktion "Lost in La Mancha" mit Terry Gilliam und Johnny Depp. Auch Osteuropa, diverse asiatische Länder und Südamerika sind im "Panorama" vertreten. Regisseure und Darsteller fast sämtlicher Filme werden zu den Filmfestspielen erwartet, so die Festivalleitung.

Die "in der Luft" liegenden Themen, so die Aussendung, seien "Lebensgefühl und Ideale der Siebziger Jahre" sowie die "Renaissance des Lebenskonzeptes, als Paar in ein eigenes Universum versponnen die umgebende Welt zu marginalisieren".

Das "Panorama" widmet sich als Teil des offiziellen Berlinale-Programms dem Autorenfilm und dem Arthouse-Kino. Im Rahmen des "Panoramas" werden mehrere Auszeichnungen vergeben. Die Filme sind entweder Weltpremieren oder europäische Premieren außerhalb des Ursprungslandes. Verantwortlich für die "Panorama"-Festival-Reihe ist seit 1992 der Regisseur, Autor und Produzent Wieland Speck.

Die 52. Berlinale dauert vom 6. bis 17. Februar, das genaue Programm wird am 29. Jänner bekannt gegeben. Dies betrifft vor allem auch ein Drittel der Filme aus dem Hauptprogramm, die Dokumentarfilm-Reihe und das Special. (APA/dpa/Reuters)

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