"Unheimlich gescheit" genügt nicht

26. August 2003, 18:54
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Werden Pädagogen für ihre berufliche Aufgabe an den Universitäten nicht gut genug ausgebildet?

Wien - Lehrer-Seminare für Persönlichkeitsentwicklung sind ausgebucht. Werden Pädagogen für ihre berufliche Aufgabe an den Universitäten nicht gut genug ausgebildet?

"Einige Unis haben schon begonnen, sich zu verändern", will Wolfgang Weissengruber nicht allen Hohen Schulen den Schwarzen Peter zuschanzen. Der derzeit karenzierte Pädak-Professor ist Mitglied der Arbeitsgruppe "Evaluierungs- und Planungskommission zur Entwicklung der Hochschulen für pädagogische Berufe" im Bildungsministerium. Bis 2007 sollen ja die Pädagogischen Akademien Hochschulen sein. Sinnvoll wäre überhaupt, alle Lehrer in einer gemeinsamen Institution auszubilden, meint der Experte.

Seit Jahren wird von allen Seiten die mangelhafte pädagogische Qualifikation der AHS-Lehrer kritisiert. Oft gebe es - speziell in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie - "unheimlich gescheite Leute, die aber nicht imstande sind, ihr Wissen zu vermitteln", sagt Weissengruber. Wichtig für den Lehrerjob sei zum Beispiel eine freundliche und überzeugende Ausstrahlung. Das Fachwissen selbst müsse später ohnehin ständig aktualisiert werden.

Auch einem schon einmal in Schönheit gestorbenen Experiment soll neues Leben eingehaucht werden: eine Kooperation zwischen Schule und Wirtschaft, die es Lehrern ermöglicht, ihren Posten für eine Zeit lang gegen einen Job in einer Firma zu tauschen. Vor Jahren scheiterte dies an mangelnder Mobilität der Pädagogen. Junglehrer seien flexibler, hofft Weissengruber.

Dialog der Lehrer mit der Wirtschaft - aber auch mit den Eltern der Schüler: Das fordert Jugendforscher Christian Friesl, derzeit Bereichsleiter für Gesellschaftspolitik in der Industriellenvereinigung. Kinder und Jugendliche verbringen tendenziell immer mehr Zeit in der Schule, womit die Institution de facto Erziehungsverantwortung übernommen habe. Dafür brauche sie aber Partner - und zwar die Eltern.

Dass diese die Lehrer ihrer Kinder durchaus positiv beurteilen, zeigt die große STANDARD-Umfrage zur Schule: Sieben von zehn Eltern sagen, dass die Pädagogen um ihre Schüler bemüht seien.

Die Außensicht scheint somit besser zu sein als die Innensicht. Der Frust bei Lehrern schleicht sich offenbar zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr ein, hat Erziehungswissenschafter Ferdinand Eder, Professor an der Uni Linz, beobachtet. Die "Mittelalten" zeigten oft das geringste Engagement. Vermutlich sei man in dieser Zeit mit Familie sowie mit finanziellen Investitionen, die durch Nebenjobs finanziert werden müssen, belastet, mutmaßt Eder. "Mit 50 widmet man sich wieder den eigentlichen beruflichen Aufgaben."(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 1. 2002)

Bessere pädagogische Grundausbildung, Möglichkeit zur Jobrotation und mehr Dialog mit Eltern von Schülern - das empfehlen Experten dem Lehrerstand der näheren Zukunft. In Summe ist das Prestige der Pädagogen in der Bevölkerung hoch. Das zeigt auch die neue Standard-Umfrage zum Schulwesen.

Martina Salomon
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