US-Militär muss mit Häftlingen nicht Genfer Konvention befolgen

12. Jänner 2002, 11:19
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Da Häftlinge nicht Status von Kriegsgefangenen haben

Guantanamo - Die zum US- Militärstützpunkt Guantanamo gebrachten Taliban- und El-Kaida- Kämpfer sollen zunächst in einer als "Camp X-Ray" (Lager Röntgen) bezeichneten provisorischen Anlage im Freien untergebracht werden. "Uns ist natürlich gesagt worden, dass diese Leute ein schwieriger Haufen sind und wir sind bereit, sie hier in Camp X-Ray in Gewahrsam zu nehmen", sagte ein Militärsprecher vor der Landung der ersten Gefangenen. Die Soldaten hätten in der Nacht die Ankunft geprobt. Die ersten 20 Gefangenen - die in Ketten, mit Kapuzen und unter Beruhigungsmitteln transportiert worden waren - kamen am Freitag an.

Zellen

Die Zellen in dem provisorischen Lager sind etwa 1,8 x 2,4 Meter groß, mit Wänden aus Maschendraht, einem Dach aus Holz und einem Betonfußboden. Das Gefängnis-Gelände ist von zwei Zäunen mit Stacheldraht umgeben. Innerhalb des Geländes versehen unbewaffnete Militärpolizisten Dienst, während schwer bewaffnete Marineinfanteristen es von außen bewachen. Unter den Wachen sind Frauen. Nachts wird die Anlage beleuchtet. Die Temperatur auf der Karibik-Insel betrug am Freitagmorgen 25 Grad, es gibt gelegentliche Regenschauer und Moskito-Schwärme. Insgesamt soll "Camp X-Ray" groß genug für 220 Insassen werden. In den kommenden Monaten sollen feste Einrichtungen für 2000 Personen entstehen.

Die Gefangenen sollen den US-Angaben zufolge die meiste Zeit allein verbringen, außer zu Mahlzeiten, beim Duschen und zum Hofgang. Die USA haben angekündigt, dass sie entsprechend internationalen Gesetzen behandelt werden sollen. Da sie jedoch nicht Status von Kriegsgefangenen haben, muss das US-Militär nicht die Genfer Konventionen befolgen. Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz und vom Roten Halbmond sollen die Haftbedingungen und Behandlung der Inhaftierten überwachen.

"Sie können nirgendwo hin"

Der Militärstützpunkt Guantanamo wurde einem US-Sprecher zufolge gewählt, weil er isoliert und leicht zu bewachen sei. Man könne nur über Militärflugzeuge in die Basis gelangen oder sie verlassen. "Sie können nirgendwo hin", sagte der Sprecher über die Gefangenen. "Selbst wenn es zum schlimmsten kommen sollte und sie ausbrechen, sind sie vollständig von Militärpersonal umzingelt." Die Bucht ist seit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 unter US-Kontrolle und seit 1903 formell gepachtet. Kuba hat eine Rückgabe des Geländes gefordert, dass durch einen 27 Kilometer langen Zaun von der übrigen Insel getrennt ist. (APA/Reuters)

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