"Aggression und Unterhaltung"

11. Jänner 2002, 22:17
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Das Wiener Rabenhof-Theater zeigt sich runderneuert und tatenfroh

Wien - Um sich seiner Erdberger Intendantenwürde angemessen zu erfreuen, hat Karl Welunschek ein Doppelleben begonnen. Auf dem neuen Programmfolder des rabenhofnull2wei-Theaters sondert der Prinzipal als Strichmännchen mit wehenden Frackschößen allerlei Sot- tisen zum Wiener Bühnenleben ab.

Zum Beispiel: "Der Karli sagt: Werner Volkstheater? Ein verstaubter Tante-Emmy-Laden!" - Oder: "Der Karli sagt: Wiener Theater? Das Schenk ich mir, weil sich's nicht Lohnert!" Mit der letzteren Spruchweisheit hat er sich bereits Ärger mit dem plakatdruckenden Wiener Bühnenverein eingehandelt: Hierbei handle es sich um keine Bewerbung des Theaters.

Programmatisch bereichert Dramaturg Jochen Herdieckerhoff ("Unser Motto: Aggression und Unterhaltung") den Spielplan schon aus Spargründen mit Lustbarkeiten, die den Rabenhof in der provokanten Mitte zwischen Diskutierbude und Amüsierschuppen platzieren. Zur Eröffnung am 24. Jänner inszeniert Süddeutsche-Feuilletonist Helmut Schödel einen bunten Abend über heimische mutmaßliche Massenmörder (Blauensteiner, Fuchs oder Unterweger); Titel: Österreichs größte Entertainer, Buch: Thomas Gratzer.

Pünktlich zur Eröffnung spielen auch die Tiger Lillies auf (26. 1.), feiert Hermes Phettberg sein Showmaster-Comeback als "Friedensstifter" (27. 1.). Nach der Wiederaufnahme von Café Tamagotchi (31. 1.) kündigen Welunschek und Co u. a. die erste Österreichlesung des französischen Starautors Michel Houellebecq an (10. 2.). Fußballschwätzchen, Sexdiskussionen und eine polizeimedizinische Dramenkunde werden folgen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13. 1. 2002)

Von
Ronald Pohl

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