"Rekordverdächtige" Diamantenherstellung

13. Jänner 2002, 18:33
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Künstliche Diamanten in Deutschland an der Luft "gezüchtet"

Bremen - Physiker des Bremer Instituts für angewandte Strahltechnik (BIAS) haben erstmals künstliche Diamanten an der Luft "gezüchtet". Bisher war die Herstellung von Industriediamanten nur bei Unterdruck in Vakuumkammern möglich. Dieses Verfahren war dementsprechend teuer. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung wird das Projekt mit mehr als drei Mio. Euro fördern. Damit soll die Neuerung in die industrielle Fertigung überführt werden.

Die neue Art der Diamantenherstellung ist auch hinsichtlich der Schnelligkeit "rekordverdächtig". "Nun sind Beschichtungen von zwei Tausendstel Millimetern pro Minute möglich", so Simeon Metev, Leiter der Abteilung für Laser-Mikrotechnologie am BIAS. Diamant-Schichten in der Unterdruckkammer wuchsen nur ein paar Tausendstel Millimeter pro Stunde, für eine Beschichtung von einem Millimeter waren also fast zehn Tage notwendig. Auf Anregung von Professor Gerd Sepold, einem der beiden BIAS-Leiter, wurde die neue Idee geboren: Die Abscheidung von Diamanten an Oberflächen durch Einsatz von Laserstrahlen.

Hierbei gelang den Forschern ein entscheidender Fortschritt: Sie haben ein sogenanntes Photonen-Plasmatron entwickelt, das die Diamantabscheidung an der offenen Luftatmosphäre erlaubt. "Sollte die Entwicklung in die industrielle Anwendung umgesetzt werden, eröffnet sie der Werkzeugindustrie zusätzliche Horizonte, da dann auch dreidimensionale Bauteile beschichtet werden könnten oder lange Sägebänder, wie sie zum Schneiden von Metallen eingesetzt werden", so der Forscher.

Synthetische Diamanten, die im Labor hergestellt werden, sind als Beschichtungen seit vielen Jahren im Einsatz. Sie weisen vorzügliche Eigenschaften wie extreme Härte, hervorragende Wärmeleitfähigkeit und gute optische Fähigkeiten auf. Als Verschleißschutz in der Werkzeugindustrie sind synthetische Diamanten nicht mehr wegzudenken. (pte)

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