Eine Flasche aus heiterem Nachthimmel

8. Jänner 2002, 20:45
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Islam R. liegt noch immer im Koma

Wien - Islam R. ist noch nicht aufgewacht. Und für den Fall, dass der Chef eines großen Wiener Pizzaservice wieder zu sich kommt, kann niemand vorhersagen, ob er je wieder der Alte sein wird: Islam R. liegt im Koma.

Islam R. war in der Silvesternacht knapp vor Mitternacht am Rathausplatz zusammengebrochen. Blutüberströmt. Und obwohl sein Bruder Helal von zwei etwa 25-jährigen Männern spricht, die sich "sehr rasch" von der rund 15-köpfigen Gruppe von Asiaten, die hier gemeinsam feierte, entfernten, wollte auch er zunächst glauben, was die Sanitäter vor Ort als naheliegendsten Grund für die schweren Kopfverletzungen nannten: Eine in die Luft geschleuderte Flasche könnte Islam R. an der linken Seite des Kopfes getroffen haben.

Die Ärzte am AKH wundern sich allerdings: Größe und Tiefe der Verletzung passen nicht ganz zu einer plumpsenden Flasche. Und Helal R. meint, dass man von Splittern "etwas hätten merken müssen. Es ist auch keine Flasche bei ihm gelegen." Dass seit dem Vorfall sowohl bei der Familie als auch in der Firma seltsame Telefonanrufe einträfen, verängstige R.s Frau und Kinder: "Die trauen sich nicht aus dem Haus."

Nicht zuletzt, weil "mir die Polizei gesagt hat, ich könne keine Anzeige erstatten". Der Fall werde aber untersucht, betont man bei der Bundespolizeidirektion: Das Krankenhaus müsse schon aus versicherungstechnischen Gründen Anzeige erstatten - die Entscheidung, ob die Tat "vorsätzlich" oder "grob fahrlässig" begangen worden sei, könne allerdings erst ein Gericht fällen. (rott/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.1.2002)

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