Radikale Körper- Künstlerin Orlan in Cronenberg-Film

11. Jänner 2002, 00:17
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"Painkiller" über Schmerz und plastische Chirurgie - Nicolas Cage als Star

Mit einem Interview in der Montagausgabe der französischen Tageszeitung France-Soir ließ die kontroversielle Künstlerin Orlan aufhorchen: Ihre Dokumentation "L'Art charnel" (etwa: "Die fleischliche Kunst") werde die Grundlage von David Cronenbergs bislang nicht bekanntem nächsten Filmprojekt "Painkiller", berichtet das französische Online-Filmmagazin AlloCine.

"David Cronenberg hat ein Drehbuch, 'Painkiller', geschrieben, rund um meine Abhandlung 'L'Art charnel' und den Kampf gegen den Schmerz", wird Orlans Interview zitiert: "Im Film werde ich mich selbst spielen, und ich weiß, dass Nicolas Cage auf der Besetzungsliste steht. Was den Zeitpunkt für die Dreharbeiten betrifft, werde ich am nächsten Festival von Cannes (im Mai, Anm.) Genauerers wissen, wenn ich mein Werk öffentlich präsentiere."

Orlan gehört zu den schillerndsten Erscheinung der radikalen Strömung einer "Body Art": Mindestens neun plastische Operationen hat sie sich unterzogen, um ihren Körper und spezifisch ihr Gesicht zu Kunstzwecken umzugestalten, etwa um der Mona Lisa sich anzunähern, oder einer Pharaonin. "Carnal Art / This is my body... This is my Software..." steht denn auch als Motto auf Orlans Homepage.

Sollte Orlan in dem Interview nicht übertrieben haben und der Film zu Stande kommen, würde er eine Rückkehr Cronenbergs zu seinem ureigensten Themenfeld der Durchdringung von menschlichem Körper und Technologie bedeuten: Man denke an die Gentech-"Fliege", die ans Rückenmark angestoppelte Computer-Software von "Existenz", den "Videodrome"-Kassettenschlitz, die chirurgischen Instrumente der Gynäkologen-"Twins", die penetrierenden Autoteile von "Crash" ...

Im Jahr 2001 hat der Regisseur in England und seiner Heimatstadt Toronto am im London der 30er und 50er-Jahre angesiedelten Psychothriller "Spider" gearbeitet, mit Ralph Fiennes, Gabriel Bryne, Lynn Redgrave und Miranda Richardson in den Hauptrollen. Der Film um einen aus einer psychiatischen Klinik entlassenen Mann auf der Spur seiner eigenen mysteriösen Vergangenheit soll irgendwann 2002 präsentiert werden. Und das oben angesprochen Festival von Cannes wäre dafür ein passender Zeitpunkt - und auch für die Vorstellung nächster Pläne.
hcl

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