Rugova hat notwendige Stimmenzahl für Präsidentenamt

8. Jänner 2002, 13:56
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LDK-Chef kann mit Stimmen der Serben und anderer Minderheiten rechnen

Belgrad/Pristina - Der gemäßigte Albaner-Führer Ibrahim Rugova soll sich die notwendige Stimmenzahl für das Kosovo-Präsidentenamt gesichert haben, berichtet am Dienstag die albanische Tageszeitung "Zerri" vor der Fortsetzung der Parlamentstagung am kommenden Donnerstag. Auf der Tagesordnung soll erneut die Präsidentenwahl stehen. Allem Anschein nach kann Rugova sich auf die Stimmen der Serben und anderer Minderheiten stützen.

Rugova hatte am 13. Dezember nicht die notwendigen zwei Drittel der Parlamentarierstimmen für das Präsidentenamt bekommen. Das Kosovo-Parlament hat 120 Sitze, der Präsidentschaftskandidat muss sich die Unterstützung von 81 Abgeordneten sichern. Rugova ist Chef der führenden Albaner-Partei, der Demokratischen Liga Kosovas, das im Parlament 47 Sitze hat.

Unterstützung für Rugova

Die Tageszeitung berichtet indes, dass sich die Demokratische Partei (PDK) von Hashim Thaci und die Allianz für die Zukunft Kosovas (AAK) von Ramush Hajradinaj auf die Oppositionsrolle im Parlament vorbereiten. Dies soll bedeuten, dass Rugova bei der erneuten Präsidentenwahl mit der Unterstützung der Minderheiten, der Serben und anderer Volksgruppen sowie kleinerer Albanerparteien rechnen könnte, die im Parlament 39 Sitze haben.

Die Leiterin der serbischen Koalition "Povratak" (Rückkehr), Rada Trajkovic, war vergangenen Samstag mit Führern der Albanerparteien im Parlament zusammengekommen. Sie hatte danach die Unterstützung der serbischen Abgeordneten für Rugova nur unter der Bedingung in Aussicht gestellt, dass der Kosovo-Demokratenbund auf die Unabhängigkeitsbemühungen verzichten würde, was unwahrscheinlich ist. Rugova hatte gleich nach dem Wahlsieg seiner Partei wiederholt an die Staatengemeinschaft appelliert, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen.

Eine Einigung über die Regierungskoalition unter den führenden Albaner-Parteien ist indes an der Forderung Thacis gescheitert, für sich den Ministerpräsidentenposten zu reklamieren. Die Partei von Thaci will auch zwei von neun Ministerämtern in der Kosovo-Regierung haben. Rugova erklärte sich bis jetzt nicht bereit, die Forderungen Thacis zu akzeptieren. (APA)

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