Napster bittet US-Regierung um Hilfe

8. Jänner 2002, 13:41
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Kongress soll Lizenz-Preise für Online-Musiktausch festlegen

Washington - Die nach Klagen der Musikindustrie abgeschaltete Online-Tauschbörse Napster hat bei ihren Bemühungen um Lizenzen der großen Musikkonzerne die US-Regierung um Hilfe gebeten. Wenn sich Musikkonzerne und unabhängige Vertriebssysteme wie Napster nicht über die Vergütung von Urheberrechten einigen könnten, müsse der Kongress die Festlegung verbindlicher Lizenz-Preise erwägen, sagte Napster-Chef Konrad Hilbers am Montag (Ortszeit) vor Musikern, Juristen und Vertretern der Musikindustrie in Washington.

Napster galt in seiner Frühzeit als Inbegriff der Anarchie im Internet, weil Nutzer dort komprimierte Musikdateien kostenlos und ohne Kontrolle der Musikkonzerne tauschen konnten.

Pflichtabgaben

Napster ging im vergangenen Sommer vom Netz, nachdem die Musikindustrie vor Gericht gegen das Angebot vorgegangen war. Mit Hilfe von Krediten der deutschen Bertelsmann AG will Napster nun als kostenpflichtiger Abonnementsservice neu an den Start gehen. Der ehemalige Bertelsmann-Manager Hilbers sagte weiter, der Kongress könne die Behörde für Urheberrechte anweisen, eine pauschale und verbindliche Lizenz-Gebühr festzulegen. Solche Pflichtabgaben werden beispielsweise bereits von Rundfunksendern gezahlt.

Napster könne noch in dieser Woche eine Testversion starten, sagte Hilbers in einem anschließenden Gespräch mit Reuters. Die größte Hürde seien aber immer noch fehlende Lizenzen der großen Musikkonzerne. Analysten zufolge könnte es auch nach Erhalt der Lizenzen schwierig werden für Napster, seine einst 60 Millionen Nutzer zurückzugewinnen.

Online-Musikmarkt formiert sich neu

Schließlich biete eine Vielzahl von Napster-Nachfolgern weiter kostenlos im Internet Musik kostenlos an. Auch hätten die großen Musikkonzerne mit MusicNet und Pressplay inzwischen selbst zwei kommerzielle Online-Musikdienste gestartet. Unterdessen erzielte zudem der unabhängige Online-Musikdienst Listen.com Lizenzvereinbarungen mit EMI und der Bertelsmann Music Group (BMG) - zwei der fünf großen Musikkonzerne. (APA/Reuters)

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